Sprengstoffanschläge auf Moscheen, das Erstarken der Rechtsextremen - und ausgerechnet in Dresden soll der Tag der Deutschen Einheit gefeiert werden. Oder gilt eher: jetzt erst recht!?

Der RAA Sachsen macht Opferberatung. Die Mitarbeiter kümmern sich unter anderen um die Opfer von rechtsextremer Gewalt. Überall in Deutschland nehmen rechtsextreme Straftaten zu, in Sachsen aber stärker als anderswo, so Robert Kusche, der Geschäftsführer der Opferberatung: "Im Vergleich zu allen anderen Bundesländern ist der Trend auf die Einwohnerzahl gerechnet tatsächlich sehr, sehr stark."

Dresden sei geprägt von Pegida, sagt Robert Kusche. Die Bewegung ist in der sächsischen Hauptstadt stärker als in jeder anderen Stadt, die Montagsdemonstrationen haben regelmäßig um die 2000 Teilnehmer. Auf den Demos passiert jeden Montag etwas. Menschen werden angegriffen, der Hitlergruß wird gezeigt und so weiter.

Jede Woche neue Opfer

Im Jahr 2015 gab es in Sachsen nach Angaben der RAA Sachsen der 477 Angriffe mit mehr als 600 Betroffenen. Allein in Dresden waren es 116 Angriffe - im Jahr davor nur 48. Auch dieses Jahr ist die rechtsextreme Gewalt unverändert stark. "Bei uns in der Beratungsstelle habe wir jede Woche vier oder fünf neue Fälle", sagt Robert Kusche. Aber das sei nur die Spitze des Eisbergs.

"Vielleicht ist der Tag der Deutschen Einheit auch eine Chance, dass sich Politik und Bürgerinnen noch einmal auseinandersetzen mit dem Thema."

Während der Feierlichkeiten in Dresden zum Tag der Deutschen Einheit wird es um die wirtschaftliche Entwicklung gehen, um Angleichung von Löhnen und Renten, um das Ende der DDR. "Aber man sollte in dem Rahmen auch über aktuelle Probleme sprechen", sagt Robert Kusche. "Und eines der aktuellen Probleme, das ganz dringend ist, ist, dass man hier in Ostdeutschland einen anderen Umgang mit rechter Gewalt finden muss."