Die Privatisierung der DDR-Volkswirtschaft scheint vielversprechend: 600 Milliarden D-Mark Gewinn soll der Verkauf von DDR-Betrieben einbringen. Tatsächlich kommt es anders: Für westliche Investoren lohnt sich das Geschäft kaum. Sie lösen die DDR-Betriebe auf und entlassen die Mitarbeiter.

Am 1. März 1990 beschließt die Volkskammer der DDR die Gründung einer Treuhandanstalt (THA). Sie soll bei der bevorstehenden deutschen Einheit das Volkseigentum bewahren und die Interessen der Allgemeinheit verwalten.

Investoren kaufen DDR-Betriebe

Bei der Volkskammerwahl drei Wochen später ist das Ergebnis eindeutig: Die von der CDU angeführte "Allianz für Deutschland" gewinnt und stellt mit Lothar de Maizière den ersten frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR. Zuvor hatte er im Wahlkampf versprochen, dass westliche Investoren freien Zugang zur DDR-Volkswirtschaft haben sollten. Damit war klar: DDR-Betriebe werden privatisiert und der Staat soll darauf so wenig wie möglich Einfluss nehmen.

Verkauf von DDR-Betrieben: Ein Minusgeschäft

Am 17. Juni 1990 verabschiedet die neu gewählte Volkskammer dann das modifizierte Gesetz zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens, kurz Treuhandgesetz. Auf der Basis dieses Gesetzes und dem deutsch-deutschen Einigungsvertrag vom 18. Mai 1990 beginnt die Privatisierung der DDR-Volkswirtschaft und damit auch der Verkauf:

  • von mehr als 8000 Betrieben,
  • rund 2,2 Millionen Hektar Agrarfläche,
  • etwa 2 Millionen Hektar Forstwirtschaft und
  • 40.000 Hektar See- und Teichfläche,
  • mehr als 25 Millionen Quadratmetern Immobilien und
  • etwa 40.000 Einzelhandelsgeschäften.

Statt Gewinn kommt Arbeitslosigkeit

Gewinnbringend sind viele der Objekte aber nicht – manche haben starke ökologische Altlasten und bei anderen fehlen die Absatzmärkte. Statt zu den geschätzten Verkaufserlösen von 600 Milliarden D-Mark kommt es zum Minusgeschäft. Einige der Betriebe können etwa nur durch finanzielle Anreize oder Zuschüsse verkauft werden. Die Folge: Investoren reißen die Betriebe nach dem Kauf ab, um die Konkurrenz klein zu halten, und viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden arbeitslos.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Abgeordnete der Partei des demokratischen Sozialismus (PDS), Gregor Gysi, war in der entscheidenden Sitzung der Volkskammer dabei.
  • Der Gesellschaftswissenschaftler Burkhard Wehner hat 1990 eine Coupon-Privatisierung vorgeschlagen, mit der jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik einen Anteil an der DDR-Volkswirtschaft bekommen sollte.
  • Der Journalist Norbert Pötzl zieht ein Fazit der Arbeit der Treuhandanstalt.
  • Buchautor Dirk Laabs hat sich mir den Schattenseiten der Arbeit der Treuhandanstalt beschäftigt.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erläutert, warum es eine Treuhandanstalt geben musste und welche Aufgaben sie zu übernehmen hatte.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs beschreibt die Entscheidung der DDR-Volkskammer, die Treuhandanstalt zu gründen.