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Steuerbescheid. Viele von euch bekommen bei dem Wort wahrscheinlich schlechte Laune. Vielleicht wird sich das in Zukunft (ein bisschen) ändern. Die Steuerverwaltung und das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache haben nämlich ein gemeinsames Projekt: Sie wollen Steuerbescheide verständlicher formulieren.

Wir Bürgerinnen und Bürger können der Steuerverwaltung helfen. Halt, Stopp… Noch nicht wegklicken. Es geht nicht um eure Einkommensverhältnisse oder sonst irgendwelche Zahlen. Es geht um die deutsche Sprache! Denn bestimmt kennt ihr das: Ihr sitzt vor eurer Steuererklärung und denkt: Das gibt es doch nicht. Ich war echt gut in Deutsch… aber ich habe wirklich keine Ahnung, was da steht.

Ein Beispiel: "Die im Zeitpunkt des Wechsels von der Besteuerung bereits versteuerten - aber noch nicht vereinnahmten - Entgelte für schon durchgeführte Leistungen brauchen bei ihrer Vereinnahmung nicht mehr versteuert werden." Alles klar? Nein. Deshalb soll die Post vom Finanzamt zukünftig verständlicher werden. Noch bis etwa Anfang März können wir in einer Online-Umfrage Steuerbescheide auf ihre Verständlichkeit hin bewerten.

Bauchschmerzen selbst bei Sprachexperten

Das Ganze ist ein Projekt der Steuerverwaltung und dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. "Manche Sätze in Steuerbescheiden sind einfach unverständlich und machen ein bisschen Bauchschmerzen, selbst Expertinnen und Experten der deutschen Sprache", sagt Christine Möhrs, Projektleiterin am Leibniz-Institut. Das habe verschiedene Gründe:

  • Die Sätze sind unglaublich lang und sehr verschachtelt.
  • Sie enthalten oft Passivkonstruktionen ("Der Berechnung wurde zugrunde gelegt"), Substantivierungen oder Infinitivformulierungen ("Der Antrag ist fristgerecht einzureichen").
  • Es werden Wörter benutzt, die nicht aus dem allgemeinen Wortschatz kommen, sondern aus einem sehr speziellen Behördendeutsch.

Die Kolleginnen und Kollegen aus der Finanzverwaltung seien sich dessen bewusst. Manchmal fehle aber einfach ein bisschen die Idee, wie sich Sätze umformulieren ließen, so dass es trotzdem noch rechtssicher bleibt. Genau hier komme dann das IDS ins Spiel, so Christine Möhrs.

"Die Sätze umformulieren, so dass sie trotzdem noch rechtssicher bleiben. Dafür haben wir einen Werkzeugkasten."
Christine Möhrs, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache

Wer muss hier eigentlich was tun? Genau das solle über die Sprache deutlicher gemacht werden. Statt "Der Antrag ist fristgerecht einzureichen" könne man etwa schreiben: "Reichen Sie bitte den Antrag fristgerecht ein". An der Rechtssicherheit ändert das nichts. Zudem komme eine persönlichere Ansprache mit hinein, sagt Christine Möhrs. Schon das kleine Wörtchen "bitte" könne da Türen öffnen.

Bürgerfreundlichkeit und Serviceorientierung

Mit der Online-Umfrage will das Institut erfahren, wo noch Handlungsbedarf besteht: Wir sollen dort einige Sätze möglichst unvoreingenommen bewerten - Sätze, die die Finanzbehörden bisher verwenden, genauso wie Sätze, die schon vom IDS verändert wurden.

Die Umfrage sei eine große Hilfe, so Christine Möhrs. Denn das Projekt sei nicht für das Leibniz-Institut gedacht, sondern für diejenigen, die die Steuererklärung machen, und das sind wir alle.

"Teilweise setzen die Finanzbehörden die sprachlichen Änderungsvorschläge bereits um."
Christine Möhrs, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache

Bei bestimmten Bereichen sei man inzwischen so weit, dass die Umformulierungen bereits verwendet werden und in die Software "Mein Elster" oder die Erläuterungstexte im Steuerbescheid einfließen.

Sukzessive gehe das Ganze jetzt weiter. Der große Vorteil, den Christine Möhrs sieht: Das Projekt ist ein Bundesprojekt, das heißt, es werde wirklich von oben – also länderübergreifend – versucht, die Verständlichkeit zu verbessern.