Thomas, Michael und Andreas - so heißen die meisten Chefs in Deutschland. Zumindest die, die in den Vorständen der börsennotierten Unternehmen sitzen. Diese Vorstände sind extrem homogen und bestehen zu 93 Prozent aus Männern, die sich in Alter, Herkunft und Ausbildung stark gleichen.

Von den mehr als 670 Vorständen in deutschen Börsenunternehmen heißen allein 49 Thomas oder Michael. Damit sind diese zwei Namensgruppen sogar stärker an der Spitze ihrer Unternehmen vertreten als Frauen im Allgemeinen. Die kommen gerade mal auf eine Gesamtzahl von 46.

Herausgefunden hat das die gemeinnützige Allbright Stiftung, die sich für Frauen in Führungspositionen engagiert. Die Stiftung hat in einer Studie untersucht, wie es all die Thomasse und Michaels an den Frauen vorbei in den Vorstand schaffen.  

"Es wird nicht rekrutiert, es wird geklont. Die Männer in den Vorständen suchen sich am liebsten immer wieder neue Kopien von sich selbst."
Wiebke Ankersen, Allbright Stiftung

76 Prozent der Vorstandsmitglieder sind deutsch und 71 Prozent sind Wirtschafts-wissenschaftler. Viele gehören zum Jahrgang 1964, was die Häufung der Namen Thomas und Michael erklärt. 70 Prozent sind in Westdeutschland ausgebildet. Die anderen 30 Prozent im Ausland.

Das Kriterium: Wer passt zu uns?

Die Unternehmen gehen mit einheitlich besetzten Vorständen auch Risiken ein: Der Erfahrungshorizont ist begrenzt und der Blickwinkel ziemlich eng. Bei der deutschen Bank oder bei Volkswagen beispielsweise haben sich solche homogenen Männer-Vorstände in Krisen manövriert. Diese Unternehmen strukturieren langsam um und nehmen mehr Frauen auf.

"Natürlich gibt es genug Frauen, aber man muss sie sehen wollen. Es gibt genauso viele BWL-Absolventinnen wie Absolventen. Die starten in den Unternehmen, aber sie kommen nicht oben an."
Wiebke Ankersen, Allbright Stiftung

Von einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis spricht man, wenn eine Gruppe 40 Prozent erreicht. In den Börsenvorständen werden etwa zehn Prozent der Vorstände pro Jahr ausgetauscht. Wenn die Unternehmen dabei ab sofort genauso viele Frauen wie Männer neu besetzen würden, dann wären wir in sechs Jahren bei einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis in den Vorständen.