Wer nach oben kommen will, muss protzen. Äußerer Luxus, teure Accessoires, prachtvolle Häuser, das alles kann Zugang verschaffen. Das gilt heute genauso wie vor hunderten von Jahren. Ein Vortrag über soziale Aufsteiger in der frühen Neuzeit des Kunsthistorikers Matthias Müller.

Ein teurer Anzug, eine gute Zigarre: So zeigt man, dass man dazugehört. Zum Beispiel der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder.

"Gerhard Schröders Insignien waren nicht wie im 18. oder 19. Jahrhundert Krone, Zepter oder juwelenbestickte Garderobe, sondern Anzüge der italienischen Luxusmarke Brioni und teure Havanna-Zigarren der Marke Cohiba."
Matthias Müller, Kunsthistoriker

Für den Kunsthistoriker Matthias Müller ist Ex-Kanzler Schröder ein gutes Beispiel für einen sozialen Aufsteiger. Dessen Zurschaustellen von Luxus und Glanz erinnert Müller an die Symbolpolitik adliger Aufsteigerfamilien im 16. bis 18. Jahrhundert.

"In Gerhard Schröder spiegeln sich die Normen und die Praxis eines Systems wider, das seine Ausprägung in der Symbolpolitik der europäischen Fürstenhöfe des 16. bis 18. Jahrhunderts erfahren hat."
Matthias Müller, Kunsthistoriker

Um in der frühen Neuzeit sozial aufzusteigen und in die obersten Kreise der Macht aufgenommen zu werden, musste man ordentlich Geld investieren. Wer zum Beispiel im Wien des frühen 18. Jahrhunderts etwas auf sich hielt, musste bauen.

Sozialer Status in der frühen Neuzeit

In der Stadt entfaltete sich nach dem Sieg von 1683 über mehrer Jahrzehnte ein Bauboom. Die Stadt wurde erfolgreich gegen einen Angriff durch das osmanische Reich verteidigt.

"Treiber des Baubooms waren eine Reihe von Adelsfamilien, die durch die Erlangung hochrangiger Ämter am Kaiserhof nach Wien gekommen waren, dort in dem sozialen System aufgestiegen waren und nun in Wien für sich Familienpaläste errichten mussten."
Matthias Müller, Kunsthistoriker

In seinem Vortrag erzählt der Kunsthistoriker Matthias Müller, wie soziale Aufsteiger in der frühen Neuzeit ihren Status durch Bauten sicherten, wie sie untereinander konkurrierten und was passierte, wenn sie einmal aus der Gunst der Obrigkeiten fielen.

Der Vortrag

Matthias Müller ist Professor für Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Sein Vortrag hat den Titel "Berechnende Verschwendung. Luxus und Pracht am Fürstenhof als soziale und künstlerische Norm (nicht nur) für Aufsteiger". Er hat ihn am 9. Mai 2022 an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf gehalten im Rahmen der Vorlesungsreihe "Wer will ich sein? Wer darf ich sein?".