Kartoffeln sind langweilig? Mitnichten! Karsten Ellenberg ist Bauer und Kartoffelfan. Über 30 verschiedene Kartoffelsorten bietet er auf seinem Hof in der Lüneburger Heide an. Manche davon sind uralt und fast vergessen. Manche davon hat er selbst kreiert.

Mit neun Jahren baut Karsten Ellenberg seine ersten Kartoffeln im Garten an, um sein Taschengeld etwas aufzubessern. Heute, mit 51 Jahren, ist er einer der größten Kartoffelexperten Deutschlands. In seinem Hofladen in der Lüneburger Heide findet man so interessante Sorten wie Blauer Schwede. Eine vorwiegend festkochende Kartoffel mit blauem Fleisch und kräftigem Geschmack. Oder Rosa Tannenzapfen. Eine alte Kartoffelsorte, die er in Schottland entdeckt hat. Sie hat eine längliche Knolle, ist festkochend und von würzigem Geschmack.

Das wichtigste ist der Geschmack

Überhaupt, findet Karsten Ellenberg, sei der Geschmack einer Kartoffel das allerwichtigste. Deshalb hat er auch 2004 die Initiative "Rettet Linda" gegründet. Linda war bis 2004 eine deutsche Premiumkartoffel - und eine der beliebtesten Kartoffelsorten Deutschlands. Doch dann sollte Linda plötzlich einfach aus der Liste des Bundessortenamts verschwinden. Weil es neue Sorten gab, die widerstandsfähiger und ertragreicher waren als Linda. Für Karsten Ellenberg völlig unverständlich:

"Es nützt nichts, wenn ich eine Sorte hab, die unglaublich ertragreich ist, aber nicht schmeckt, dann kann ich sie auch nicht verkaufen."
Karsten Ellenberg, auch bekannt als der "Kartoffelkrieger"

Also hat er dafür gekämpft, dass Linda wieder in den Listen des Bundessortenamts auftaucht. Ein langer Kampf war das. Fast sechs Jahre lang. Aber Karsten Ellenberg hat nicht aufgegeben, auch wenn er dafür einen ziemlichen Umweg in Kauf nehmen musste. Denn weil das Bundessortenamt in Deutschland Linda nicht einfach so wieder aufnehmen wollte, hat er es eben in Großbritannien versucht. Und nach dem das dortige Sortenamt Linda wieder gelistet hat, ist auch Deutschland nachgezogen.

Neuzüchtungen aus dem Kartoffellabor

Heute züchtet der "Kartoffelkrieger", wie er genannt wird, gerne selber neue Kartoffeln. Weil er keine Lust hat, sich von Saatgutkonzernen vorschreiben zu lassen, was er auf seinen Acker pflanzt und was nicht. Und weil er ein großer Fan von Auswahl und Vielfalt ist. Man stelle sich nur einen Kartoffelsalat aus blauen, violetten, roten und gelben Kartoffeln vor. Allein optisch schon viel interessanter, als der gelbe Standard-Kartoffelsalat. Natürlich bedeutet das auch jede Menge Arbeit. Schließlich ist nicht jede Neuzüchtung ein Erfolg, aber:

"Das macht einfach Spaß, diese Unabhängigkeit als Landwirt genießen zu können."
Karsten Ellenberg will selber bestimmen, was er anbaut

Karsten Ellenberg zeigt seine tollen Knollen