Womit vertreiben sich zwei ehemalige Chefentwickler von Facebook die Zeit? Arun Vijay-vergiya und Nikolay Valtchanov liegen nicht auf der faulen Haut: Sie helfen uns dabei, unsere Erinnerungen zu sammeln, unser Leben zu protokollieren. Dazu haben sie eine App entwickelt, ein digitales Tagebuch. Aber wollen wir das überhaupt?

Im Grunde funktioniert das Konzept ähnlich wie die Facebook-Timeline, sagt unser Netzreporter Michael Gessat. Was auch kein Wunder ist, weil Vijayvergiya sozusagen der Architekt der Facebook Timeline ist. Zunächst hieß die Funktion Memories, also Erinnerungen, und das ist auch bei der neuen App namens Fabric das Motiv: Erinnerungen sammeln im nostalgischen Sinn, aber auch im ganz praktischen: Wo war ich an einem ganz bestimmten Tag - und das alles natürlich vollautomatisch. Genau hier bringt auch der zweite Entwickler seine Expertise mit ein: Nikolay Valtchanov hatte bei Facebook daran gearbeitet, Mobilitätstracker wie Lauf- und Fahrrad-Apps ins soziale Netzwerk zu integrieren.

Bei der der neuen App wird per Smartphone minutiös protokolliert, wo sich der User aufhält. Dazu kommen als weitere Datenquellen auch die Fotos, die er aufnimmt oder bei Instagram einstellt – und natürlich auch Facebook-Posts. Jeden Abend entsteht so vollautomatisch eine Tagebuchseite, die ihr noch editieren könnt. Und wenn ihr das euer ganzes Leben lang macht, erben eure Nachfahren ein hübsches biografisches Werk.

Keine neue, aber eine vielversprechende Idee

Ein digitales Tagebuch - das ist in den App-Stores nichts wirklich Neues. Dort findet ihr einfache Tagebuch-Schreibhilfen bis zu einer umfassenden Daten-Totalsammlung, wie bei der App Momento. Die beiden Ex-Facebook-Leute setzen also auf einen Trend, der zwar nicht ganz neu, aber offensichtlich vielversprechend ist. Und höchstwahrscheinlich auch auf gute Kontakte aus ihrem Berufsleben. Ein Stück Social Network steckt auch drin. Ihr könnt also andere Leute integrieren und dann genau mitverfolgen: Wann habe ich eigentlich zum letzten Mal meine Mutter getroffen, erklärt einer der Entwickler.

Unser Netzautor Michael Gessat ist skeptisch, dass es bei der App um mehr geht, als um unsere Eitelkeit oder Selbstbespiegelung. Ein langweiliges Leben werde ja nicht dadurch interessanter, dass wir es minutiös aufzeichnen. Andere Entwickler arbeiten an digitalen Klonen, mit denen man nach dem Tod chatten können soll. Die Macher von Fabric und auch viele andere Entwickler im Silicon Valley, hätten letztlich eine Art erweitertes Gedächtnis, eine Gedächtnishilfe im Sinn. In der Extremversion solle noch eine Art Google Glass alles mitfilmen - und letztlich träumten die Leute auch von einer direkten Schnittstelle zum Gehirn.