Der Klassiker: Wir wollten nur mal eben die Uhrzeit checken, hängen dann bei Facebook rum, schreiben Mails oder kontrollieren, ob hinter den 20 ungelesenen WhatsApp-Nachrichten vielleicht doch etwas anderes steckt als lustige Videos, Babyfotos oder "Und du so?"-Nachrichten.

Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Uni Bonn, weiß, was Smartphone-User tun. Dank der App Menthal. Bei dieser erhalten Nutzer nicht nur eine Analyse ihres eigenen Handy-Verhaltens, sondern ihre (anonymisierten) Daten sind Teil einer großen offiziellen Studie. Etwa 300.000 Leute haben mitgemacht. Aus ihren Daten ergibt sich: Wir können einfach nicht ohne Handy.

Permanentes Multitasking

Um "gute Nutzung, schlechte Nutzung" geht es Alexander Markowetz nicht. Aber er sagt, wir müssen lernen, mit der Technik umzugehen und uns nicht von unseren unbewussten Triggern und Automatismen leiten zu lassen. Dieses unkontrollierte Verhalten führt laut Studie dazu, dass Smartphonenutzer nicht nur über 80 Mal aufs Handy schauen, sondern auch insgesamt 2,5 Stunden daran herumdaddeln. Zumeist bei WhatsApp, Facebook, Spielen und anderen Social-Media-Diensten. Dabei wird mit dem Smartphone nur sieben Minuten telefoniert. Und auch die rein praktischen Funktionen am Smartphone wie der Bahnticket-Kauf nehmen nur zehn Minuten in Anspruch.

"Wir wollen Smartphones nicht abschaffen oder wollen nicht zurück ins Jahr 2003. Wir müssen einfach lernen, damit umzugehen."
Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Universität Bonn

Alle 18 Minuten unterbrichen wir im Schnitt unsere Tätigkeiten. Rechnet man dann noch die vielen anderen Kontakte hinzu, die sich im Laufe eines Tages abspielen, ergibt sich das Bild eines fragmentierten Alltags, erklärt Alexander Markowetz. "Beim Rauchen reicht es auch nicht zu verstehen, dass es schädlich sein kann. Wir müssen uns selbst austricksen". Der Wissenschaftler und Autor des Buches “Digitaler Burnout” empfiehlt, das über zwei Ansätze anzugehen. Man müsse das eigene Verhalten ändern - und das seiner Freunde.

"Die zwei schlimmsten Feinde Ihrer Aufmerksamkeit sind Sie und Ihre Freunde"
Alexander Markowetz, Juniorprofessor für Informatik an der Universität Bonn

Es sei nicht genug, sich selbst zu disziplinieren, nicht ständig nach Neuigkeiten zu schauen, auch die eigenen Kontakte müssten lernen, nicht alles unreflektiert bei WhatsApp rein zu schreiben. Nur dann hätten wir eine Chance gegen den unbewussten Griff zum Telefon.

Anmerkung der Redaktion: Das Schreiben dieses Artikels wurde übrigens durch fünf Blicke aufs Handy unterbrochen. Okay, vielleicht auch mehr. Verdammt!