Komm, wir klicken uns in die Antike. Ich mache mich zur Zeitzeugin des Mauerbaus oder des Vietnamkriegs. Wir erkunden das Mittelalter online, als Vorbereitung auf die Geschichtsklausur. Was dagegen?

Naja, wird Geschichte dadurch nicht verkürzt, von Originalschauplätzen verlagert? Geschichtlichkeit zerstört, Aura verdorben? Unsere Gesprächspartner im Digitalen Salon im Grimme-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin fanden: Nö.

"Wenn Du jetzt das, was damals passiert ist, nicht mehr abstrakt siehst, sondern da, wo es wirklich passiert ist, dann gibt es eine Veränderung. Weil Du wirklich denkst: 'Verdammt noch mal, hier ist das passiert! Hier!' Dieses Mehrverstehen - das ist die größte Freude!"
"Die Archäologie ist eine in weiten Teilen zerstörende Wissenschaft. Wir graben Dinge aus und wenn ein Loch da ist, dann ist das, was da war, danach weg."
"Das beste Beispiel ist das Reijksmuseum in Amsterdam, die alles hoch auflösend online gestellt haben. Weil sie einfach sagen: Die drucken sich den van Gogh eh aufs Klopapier, dann sollen sie es aber wenigstens in einer guten Qualität tun."
"Jede Ausstellung muss auch funktionieren ohne Multimedia-Guide."

Digitale Geschichte und online aufgearbeitete Vergangenheit können Zugänge schaffen, Bauten und Gedenkorte erhalten, die in der Realität schon längst verschwunden sind. Und wer sich mal auf auschwitz-prozess.de Aussagen von Angeklagten und Zeugen des Frankfurter Auschwitz Prozesses angehört hat, weiß, dass dieses Tondokument Hörer anders berühren kann als ein Text.

Erhalten und lebendig machen

Über das, was mit unserer Geschichte passiert, wenn sie online geht, hat Katja Weber mit Felix Schäfer vom Deutschen Archäologischen Institut, Juna Grossmann, Bloggerin auf irgendwiejuedisch.com, Robin Hardenberg von timetraveler augmented und Arnulf Scriba vom Deutsches Historisches Museum im Digitalen Salon - der gemeinsamen Veranstaltung von HIIG und DRadio Wissen - diskutiert.

Der Digitale Salon bei DRadio Wissen: