Viele Flüchtlinge nutzen auf der Flucht ein Smartphone, um so Kontakt zu Schleppern aufzunehmen, als Navigation und Medium, um sich in der neuen Heimat zu vernetzen.

Flüchtlinge, die es sich leisten können, besorgen sich ein Smartphone. Darüber können sie Kontakt in die Heimat halten, sich informieren und in der neuen Heimat vernetzen. Wenn das Smartphone das zentrale Medium für Flüchtlinge ist: Welche Anwendungen würden den Menschen auf der Flucht helfen? Oder könnte ihnen gar eine Integrations-App helfen, sich in dem fremden Land besser zurecht zu finden? Über diese Fragen haben ein Flüchtling, Wissenschaftler und eine Netzaktivistin im Digitalen Salon diskutiert.

Digitale Hilfe für Flüchtlinge

Anke Domscheidt-Berg hat zusammen mit anderen Ende Oktober den Refugee Hackathon auf die Beine gestellt - eine Programmierkonferenz, auf der Anwendungen für Geflohene und Helfende ausgeheckt wurden.

"Im Grunde geht es ja darum, mit digitalen Lösungen Defizite vor allem auch staatlichen Handelns auszugleichen. Der Staat ist aber nicht nur Problem, sondern natürlich muss er auch Teil der Lösung sein."
Anke Domscheidt-Berg, Netzaktivistin

Florian Rücker hat in Cambridge und Maastricht internationale Beziehungen studiert, dann für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit gearbeitet - und engagiert sich nun für die Kiron University. Kiron versteht sich als Online-Uni für geflohene Menschen. Niederschwellig, ohne Papierkram können sie sich dort seit diesem Herbst einschreiben und studieren.

"Die Leute kommen hier an, sitzen in irgendeinem Flüchtlingsheim und haben leider ziemlich begrenzten Internetzugang im Heim. Wie schafft man das, dass die Flüchtlinge in Deutschland guten, konstanten Netzzugang bekommen?"
Florian Rücker, Politikwissenschaftler

Maqboul Siddiqi weiß ganz genau, worum es geht, wenn von Flucht die Rede ist: Der Afghane hat sich vor sieben Jahren auf den Weg nach Europa gemacht, lebte dann illegal in Griechenland und nun seit fast vier Jahren anerkannt in Deutschland. Sein Bruder versucht derzeit nach Europa zu gelangen.

"Sie waren in Gefahr, irgendwo im Meer und haben mich angerufen: 'Siddiqi, wir brauchen Hilfe!' Per Viber haben sie mir ihre GPS-Daten geschickt. Ich hab sie an die griechische Küstenwache weitergegeben."
Maqboul Siddiqi, Flüchtling aus Afghanistan

Vassilis Tsianos ist Professor für Migrationssoziologie und "digitale Grenzen" an der Fachhochschule Kiel. Er hat erforscht, wie Menschen auf der Flucht digitale Hilfsmittel nutzen und wie diese Nutzung die Flucht selbst verändert.

"Es gibt wöchentlich hunderte von neuen FB-Gruppen, hunderte neuer selbstorganisierter Initiativen von Transitmigranten, deren Aufgabe gerade darin besteht die Hot Spots des Grenzkontrollgeschehens zu dokumentieren."
Vassilis Tsianos, Migrationssoziologe

Der Digitale Salon ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und DRadio Wissen.

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