Ob in der Softwareentwicklung, Robotertechnologie oder Raumfahrt: Russland will so schnell wie möglich seine Digitalwirtschaft modernisieren. Präsident Wladimir Putin hat dafür Ende 2016 höchstpersönlich den "Nationalen Plan Digitale Entwicklung" vorgestellt - ein Acht-Punkte-Konzept, mit dem alle wichtigen Bereiche der digitalen Entwicklung abgedeckt werden sollen.

Teil dieses ehrgeizigen Plans ist das Leuchtturmprojekt mit dem Namen "Innopolis". Das ist eine am Reißbrett entworfene IT-Stadt mit Spitzenuni, Forschungslaboren und Sonderwirtschaftszonen für Unternehmen. 2000 Menschen leben und arbeiten hier schon seit 2015, 150.000 sollen es bis 2035 werden. Vorbild ist das kalifornische Silicon Valley.

Die "Innopolos University"
© imago/Yegor Aleyev
Die "Innopolis University" ist Teil der futuristischen IT-Stadt im russischen Kasan.

Ein Vorzeigeprojekt der "Innopolis University" ist der Concierge-Roboter Gargarin. Das ist ein Sprachassistent, der wie Apples Siri funktioniert - nur in einem menschenähnlichen Roboter steckt. Irgendwann soll der dann Menschen dort ersetzen, wo man ihre Aufgaben mit einem Algorithmus lösen kann. Dieses Projekt soll helfen, Russlands IT-Forschung in die Weltspitze zu katapultieren, erklärt Mitarbeiter Sergej Karapetjan: "Wir sind rein auf die Themenfelder IT und Robotik fokussiert. Und innerhalb dieser Themenfelder bieten wir vier Masterstudiengänge an: Big Data, künstliche Intelligenz und Robotik, Softwaretechnik, sowie Cyber Security."

Finanziert wird die Uni von etwa 100 Unternehmen - nicht aus Liebe zur Forschung, sondern aus Kalkül: Alle Studenten verpflichten sich, nach dem Studium zumindest für eineinhalb Jahre für eines dieser Unternehmen zu arbeiten. Bislang sind das nur russische Unternehmen.

"Der Staat sagt: Hier wird jetzt ein Innovationszentrum stehen, liebe Unternehmen. Bitte kommt und siedelt euch an. Und das ist ein sehr strittiger Punkt."
Dimitrij Kononenko, Digitalexperte der deutsch-russischen Außenhandelskammer

Außerdem, sagt Kononenko, leide die russische Digitalwirtschaft unter hausgemachten Problem: eine marode Infrastruktur in vielen Landesteilen und der Rückstand in der Hardware-Entwicklung. Viel Potenzial sieht er dagegen in der Softwarentwicklung: "Man benötigt ein paar gute Computer und ein paar sehr gute Programmierer. Und die hat Russland."

Für den Digitalexperten Kononenko ist Russland mit dem "Nationalen Plan Digitale Entwicklung" auf dem richtigen Weg. Und dass Präsident Putin den Plan selbst vorgestellt hat, ist für ihn ein eindeutiges Zeichen: Die Regierung meint es ernst. Entweder es wird ein Erfolg - oder es gibt bald eine Menge freier Beamten- und Ministerposten.