Unser Moderator Stephan Beuting hat das Jahr 2015 irgendwie als chaotisch empfunden. Er sucht sich deshalb Rat bei einer Person, die sich mit dem Herstellen von Harmonie auskennt: der jungen Dirigentin Joana Mallwitz.

Joana Mallwitz, geboren 1986, ist Dirigentin und Generalmusikdirektorin am Theater Erfurt. Sie muss viele Musiker unter einen Hut kriegen, muss sie dazu bewegen, einem gemeinsamen Ziel zu folgen, damit es am Ende harmonisch und, ja, ordentlich klingt.

Einen Trick für die Ordnung gibt es nicht, sagt Joana. Vielmehr sei es einfach viel Arbeit. Viele viele Proben, die Partitur sehr genau studieren, jedes Detail eines Stückes kennen. Ressourcenorientierung sei zudem wichtig: Was bietet ein Musiker an, wie kann man das in die Gesamtharmonie einbinden? Und dann müssen am Ende alle Musiker das Gefühl haben: Das ist unsere gemeinsame Idee, wie das Stück gespielt wird.

Das ist dann wohl auch der Tipp für das Jahr 2016 in Sachen Politik und Gemeinschaft: Wer kann was leisten? Kriegen wie eine gemeinsame Idee formuliert, wie wir miteinander leben wollen? Und am Ende ist natürlich auch das alles sehr viel Arbeit.

Joana ist eine sehr junge Dirigentin. Der Anruf damals, im Hebst 2014, kam an einem Mittag: Kannst du die Premiere von "Madama Butterfly" dirigieren? Alle Dirigenten und Kapellmeister waren nicht verfügbar oder krank. Joana probte eigentlich gerade ein anderes Stück, kannte Madama Butterfly aber als Pianistin in- und auswendig. Also hat sie sich ein paar Stunden in die Partitur eingearbeitet und sich selbst gesagt: Es gibt keinen Plan B. So wird es gemacht. Denn in dem Moment, wo man als Dirigentin da oben steht - "in dem Moment darfst du keine Zweifel haben".