Bei der Jobsuche ist Diskriminierung ein Problem. Geht es um eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts einer Person, findet hier laut Forschenden ein Wandel statt.

Wenn Menschen im Job aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden, liegt die Annahme nahe, das Problem betreffe eher Frauen, wie in anderen Bereichen am Arbeitsplatz. Stichwort: Gender-Pay-Gap. Geht es aber um die ersten Schritte der Jobsuche, wie die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, hat ein internationales Team aus Forschenden das Gegenteil beobachtet.

Frauen: gleich viele Vorstellungsgespräche

In ihrer Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass junge Frauen in ihrem Experiment öfter zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wurden als junge Männer. Auf Berufe, die stereotypisch gesehen eher Männern zugetraut werden wie etwa der Job des Softwareentwicklers, hatten Frauen zudem gleich gute Chancen wie ihre männlichen Mitbewerber.

Männer: weniger gefragt in "typischen" Frauenberufen

Anderes herum war das nicht so. Bewarben sich Männer auf Berufe, die traditionell mit Frauen verbunden werden – wie der Beruf der Verkäuferin oder Sekretärin – waren sie weniger erfolgreich; besonders in Deutschland, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Hier hat sich ihre Wahrscheinlichkeit einer Rückmeldung um fünf bis neun Prozent im Vergleich zu den weiblichen Bewerberinnen verringert.

Echte Stellenangebote, fiktive Bewerbungen

Für ihre Studie hat das Team aus Forschenden zwischen 2016 und 2018 insgesamt 4.000 fiktive Bewerbungen von Interessierten an echte Arbeitgebende verschickt. Diese internationale sogenannte Feldstudie hat in Norwegen, Spanien, Deutschland, den Niederlanden, USA und dem Vereinigten Königreich stattgefunden.

In ihrem Anschreiben waren die Bewerber*innen zwischen 22 und 26 Jahre alt und hatten alle eine ähnliche Berufserfahrung. Sie bewarben sich auf tatsächlich ausgeschriebene Stellen in sechs verschiedenen Berufen:

  • Köchin oder Koch
  • Lohnbuchhalter*in
  • Empfangsmitarbeiter*in
  • Vertriebsmitarbeiter*in
  • Verkäufer*in
  • Softwareentwickler*in

    Diskriminierung gibt es weiter, aber auch ein Umdenken

    Laut den Forschenden werden Frauen noch immer benachteiligt, wenn es um das Gehalt und auch Karrierechance gehe. Gleichzeitig würde sich die Einstellung vieler zu Geschlechterrollen weiter wandeln. Heute seien in vielen Ländern etwa 40 Prozent der arbeitenden Bevölkerung Frauen.

    "Wobei natürlich einschränkend dazugesagt werden muss, dass es hier nur um die frühe Phase einer Bewerbung ging, vor allem um eine Einladung zum Vorstellungsgespräch", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff. Die Frage sei aber auch, wie es dann tatsächlich im Gespräch weitergegangen wäre und wer tatsächlich den Job bekommen hätte.

    Das konnte nämlich nicht getestet werden, weil die Bewerbungen alle fiktiv waren. Und: Es ging nur um junge Bewerberinnen und Bewerber – das heißt, die Studie sagt nichts aus über mögliche Diskriminierung im Verlauf einer Karriere, zum Beispiel bei Bezahlung und Beförderung.