In Elke Margarete Lehrenkrauss Doku "Lovemobil" kommen Frauen zu Wort, die in Minibordelle an der Landstraße arbeiten - teils freiwillig, teils als Opfer von Menschenhandel. Im Film geht es um Sexarbeiterinnen, Frauen, die zur Prostitution gezwungen sind, und Frauenmorde. Die Regisseurin sagt: "Mir ist angst und bange geworden".

Straßenstrich in Niedersachsen zwischen Gifhorn und Wolfsburg: Zu Minibordelle umfunktionierte Wohnmobile stehen an den Straßenrändern und heißen romantisch "Lovemobil". Über diese Minibordelle hat die Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss einen Dokumentarfilm gedreht. Sie kennt die Minibordelle gut, denn sie kommt aus der Gegend.

Frauen als Opfer von Menschenhandel

In ihrer Kindheit war es allerdings so, dass in diesen Liebesmobilen Frauen aus Deutschland saßen. Heute sitzen vor allem Frauen aus Osteuropa und Afrika in den Wohnwagen. Das empfindet Elke Margarete Lehrenkrauss so erschütternd, dass sie darüber den Film "Lovemobil" gemacht hat.

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Für ihren Film hat Elke Margarete Lehrenkrauss ein Jahr lang nur recherchiert, bevor es an die Dreharbeiten ging. In dieser Zeit ist sie mit 20 bis 30 Frauen in Kontakt gekommen, die ihr offen über ihr Leben erzählt haben. "Die meisten wollten nicht vor die Kamera."

Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss und Kameramann Christoph Rohrscheidt
© Locarno Film Festival | Ottavia Bosello
Elke Margarete Lehrenkrauss und Kameramann Christoph Rohrscheidt beim Filmfest in Locarno

Ihr und dem Kameramann Christoph Rohrscheidt ist es aber in dem Jahr so gut gelungen, sich an die Frauen anzunähern, dass schließlich sechs von ihnen bereit waren, sich aufnehmen zu lassen. Im Film "Lovemobil" sind aber nur noch drei zu sehen.

"Der eigentliche Zugang zu den Frauen kam über unsere Hauptprotagonistin Uschi. Über sie sind wir in das Milieu hineingekommen."
Elke Margarete Lehrenkrauss hat einen Doku über Minibordelle gedreht

Neben Uschi zeigen Milena aus Rumänien und Rita aus Nigeria Einblicke in ihr Leben. Die beiden repräsentieren nach Ansicht von Elke Margarete Lehrenkrauss das, was es an der Landstraße hauptsächlich gibt: "Frauen, die auf eine Art freiwillig unfreiwillig sind." Das sind zum einen Sexarbeiterinnen, die diese Arbeit gerne machen. Zum anderen sind es Frauen, die als Opfer von Menschenhandel betrachtet werden können "und dort echt nicht sein wollen".

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Die Protagonistinnen in Elke Margarete Lehrenkrauss Film sind an der Landstraße aus ökonomischer Not gestrandet – immer in der Hoffnung, doch noch einmal schnell Geld zu verdienen, um damit aufhören zu können. Mit ihrem Einkommen ernähren sie die Familien zu Hause.

"Sie sind dort nicht angekettet, könnten jederzeit gehen, aber es geht nicht so einfach."
Elke Margarete Lehrenkrauss über Minibordelle
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"Wenn man einmal in diese Prostitution reingerutscht ist, ist es unheimlich schwer, einen Ausweg zu finden, selbst wenn er einem geboten wird."
Elke Margarete Lehrenkrauss

In der Zeit mit den Frauen hat Elke Margarete Lehrenkrauss den Eindruck gewonnen, dass einige der Frauen in die Prostitution hineingerutscht sind und am liebsten damit aufhören würden, aber es ihnen schwerfällt, selbst wenn ihnen dabei Hilfe angeboten wird, dieses Leben zurückzulassen.

"Wir hatten überhaupt kein Problem damit, Freier zu finden. Ein Freier war sehr willig, sich von der Kamera beim Sex filmen zu lassen."
Elke Margarete Lehrenkrauss drehte Doku über Prostitution

Beim Dreh war es der Regisseurin wichtig, nicht zu inszenieren, sondern Bilder zu komponieren, um so den Frauen einen würdevollen Raum zu geben. Explizite Sex-Szenen kommen in dem Film nicht vor, auch wenn diese bei den Dreharbeiten entstanden sind. Für sie und den Kameramann sei es merkwürdig gewesen, dass besonders ein Freier äußerst bereitwillig war, sich beim Sex filmen zu lassen.

"Ich wollte einen unvoreingenommen Blick auf die Situation haben, aber als Frau fragst du dich immer: Könnte ich das?"
Elke Margarete Lehrenkrauss

Die Regisseurin hatte sich vorgenommen mit einem relativ unvoreingenommen Blick auf Prostitution und Sexarbeit zu blicken und findet, dass es nicht grundsätzlich verboten werden sollte. Weil es unter den Frauen auch welche gibt, die das gerne machen.

"Es gibt Frauen, die das gerne machen."
Elke Margarete Lehrenkrauss

Das Problem im Zusammenhang mit Prostitution ist der Menschenhandel. Die Frauen müssen davor geschützte werden, sagt Elke Margarete Lehrenkrauss. Menschenhandel ist ein Verbrechen und verbunden mit schwerer und organisierter Kriminalität. Die Regisseurin glaubt, dass das Problem ist, dass die Gesellschaft ein Gesetz suche, dass Menschenhandel und Prostitution reglementiere. Das sei aber extrem schwierig.

Frauenmorde sind in der Branche "normal"

Im Film "Lovemobil" kommt auch ein Mord unter den Frauen zur Sprache. Aber auch dieser Mord verändert nichts an der Situation der Frauen.

"Das Tragische ist, dass der Mord nichts verändert hat. Noch schlimme ist, dass ich sagen muss: Es ist nichts Besonderes, dass dort ein Mord passiert."
Elke Margarete Lehrenkrauss

Während der Drehzeit sind sogar zwei Frauen ermordet worden. Im Film wird es aus dramaturgischen Gründen auf einen Mordfall verdichtet. Aber, sagt Elke Margarete Lehrenkrauss, vor dem Dreh wurden Frauen umgebracht und nach dem Dreh würden nach wie vor immer wieder Wohnwagen der Frauen brennen. Die Frauen sitzen jede Nacht alleine in den Wohnwagen. Die Regisseurin sagt, die Frauen würden vor dem Risiko die Augen verschließen. "Aber mir ist angst und bange geworden."