Carolins Vater hat eine neue Frau. Die kommt aus Thailand und ist genau so alt wie Carolin. Carolin Genreith wollte diese ganze Geschichte zuerst verdrängen. Dann hat sie den Dokumentarfilm "Happy" gedreht.

Tukta heißt die Frau, die Dieter Genreith kennengelernt hat, mittlerweile sind sie verheiratet. Carolin ist Filmemacherin und hat ihren Vater mit der Kamera begleitet - bei den mentalen Vorbereitungen auf die Hochzeit Zuhause und auch auf der Reise nach Thailand zu Tukta und ihrer Familie - bis zur Hochzeit. Herausgekommen ist dabei "Happy": ein sehr beeindruckender Film, intensiv, unglaublich nah dran am Vater und seiner Braut aus Thailand.

Die Geschichte beginnt mit einer Postkarte aus Thailand. Der Text lautet ungefähr so: "Meine Liebe, mir geht es gut hier, ich esse Phad Thai und trinke Chang Bier. Und ich habe eine Frau kennengelernt, die ist so alt wie du. Liebe Grüße, Papa." Carolin schiebt diese Postkarte erst mal ganz tief unten in eine Schublade, zu anderen Dingen, die sie lieber vergessen möchte. Die Karte kommt von ihrem Vater, der ihr eh in vielen Momenten des Lebens peinlich ist.

"Mein Vater ist sehr offen und ich glaube, er hat diesen Film auch begriffen, sich zu rechtfertigen. Weil er sieht natürlich diese Blicke, die ihn treffen, wenn er mit Tukta spazieren geht."
Carolin Genreith, Regisseurin und Dokumentarfilmerin

Doch bei einem seltenen Besuch bekommt Carolin mit, wie ihr Vater versucht, mit seiner Frau Tukta zu kommunizieren. Das ist gar nicht so einfach, weil Tukta kein Englisch und der Vater gerade erst Thailändisch lernt. Das hat sie irgendwie berührt. So sehr, dass sie die Idee hatte, einen Film über die Beziehung zu machen.

Ein Film über Einsamkeit, Hoffnung und Existenz

Carolin Genreith geht in dem Dokumentarfilm sehr nah ran und zeigt ihren Vater schonungslos. Zum Beispiel, wenn sie mit ihm am Küchentisch in der Eifel sitzt und ihn fragt, ob er wirklich denkt, dass die Frauen ihn mögen. Sie diskutiert mit ihm darüber, dass sich die thailändischen Frauen natürlich Hoffnungen machen, wenn sie sich einem älteren Mann aus Deutschland hingeben.

"Ich war so froh, dass ich kuscheln konnte nachts. Da war ich so froh."
Dieter Genreith, hat eine wesentlich jüngere Frau aus Thailand geheiratet
"Papa, bist Du so einsam?"
Carolin Genreith, Dokumentarfilmerin
"Ja."
Dieter Genreith, hat eine wesentlich jüngere Frau aus Thailand geheiratet

Carolin Genreith hat dann in Thailand auch die neue Frau Tukta kennengelernt. Sie sagt: "Ich glaube, dass Tukta meinen Vater sehr mag. Vielleicht liebt sie ihn so, wie sie Liebe versteht." Carolin glaubt, dass Tukta eine andere Definition von Liebe hat als sie selbst. Es geht bei Tukta mehr um Existenz und um den Rest der Familie, die durch so eine Hochzeit abgesichert wird. Tukta ist inzwischen in Deutschland und Carolin glaubt, dass es ihr gut geht. Carolin Genreith hat selbst nach der intensiven Beschäftigung mit dem Thema durch ihren Film aber noch keine Antwort darauf gefunden, wie sie die ganze Beziehung bewerten soll.

"Natürlich ist es irgendwie ein Deal. Aber es ist auch irgendwie Liebe."
Carolin Genreith, Dokumentarfilmerin
Dieter Genreith und seine Frau Tukta
© Carolin Genreith
Dieter Genreith und seine neue Frau Tukta in Thailand.