Weil Alkohol in Dänemark teuer ist, kaufen viele Dänen in Deutschland ein. Ein spezieller Deal ermöglicht es, Dosen pfandfrei zu bekommen. Und so landet ein Großteil der Dosen aus Deutschland in der dänischen Natur.

Wer schon einmal in Skandinavien war, weiß: Alkohol ist dort sehr teuer. Kein Wunder also, dass Däninnen und Dänen gerne über die Grenze nach Deutschland fahren und hier einkaufen. Teilweise kommen sie mit leeren Anhängern über die Grenze gefahren, weiß Johannes Kulms, Dlf-Korrespondent für Schleswig-Holstein. Bei der Rückfahrt sind dann diese Anhänger voll.

Billiger Alkohol aus Deutschland

Der Großeinkauf in Deutschland lohnt sich doppelt, denn wer aus Dänemark kommt, zahlt hier nicht nur viel weniger für den Alkohol, sondern muss in Deutschland auch keinen Pfand für die Dosen zahlen. Und das ist ein Problem.

Die dänischen Grenzgänger entsorgen die Dosen oft nicht ordnungsgemäß, nachdem sie sie leer getrunken haben. Deshalb organisieren dänische Umweltschützerinnen einmal im Jahr eine große Müllsammelaktion, bei der auch viele Freiwillige mitmachen.

Im letzten Jahr haben sie insgesamt 150 Tonnen Müll gesammelt – die Hälfte davon bestand aus pfandfreien Dosen aus den Grenzgeschäften, sagt Cathrine Pedersen Schirmer von der dänischen Umweltschutzorganisation Danmarks Naturfredningsforening.

"Es scheint so, dass die Pfandfreiheit viele Leute in Dänemark zu einem sehr lockeren Umgang mit den in Deutschland gekauften Dosen bewegt."
Johannes Kulms, Dlf-Korrespondent für Schleswig-Holstein

Pro Jahr werden 650 Millionen Dosen ohne Pfand über die Grenze verkauft. Nach Daten der dänischen Umweltschutzorganisation landen 64 Prozent davon in der dänischen Natur oder in Verbrennungsanlagen. Sie werden also nicht wiederverwertet.

Deutschland macht mit pfandfreien Dosen ein riesen Geschäft

Die Bestrebungen, das Dosenproblem zu lösen, sind von Lobbyseite nicht allzu groß. Das liegt vor allem daran, dass 3000 Arbeitsplätze davon abhängig sind. Die IGG – die Vereinigung, die 15 Grenzhandelsunternehmen auf deutscher Seite vertritt – spricht von einem jährlichen Umsatz von 800 Millionen Euro.

Vereinbarung wird nicht umgesetzt

Dabei gibt es seit 2015 bereits eine Vereinbarung, die zwischen der deutschen und dänischen Regierung, sowie dem Land Schleswig-Holstein getroffen wurde. Diese Vereinbarung sieht vor, Pfand auf die Dosen zu erheben. Doch bei der Vereinbarung ist es seit fünf Jahren geblieben. Umgesetzt wurde nichts.

"2015 haben Politiker aus Dänemark und Schleswig-Holstein beschlossen: Es soll ein Pfand geben für die Dänen. Aber passiert ist seitdem nichts. Fünf Jahre Stillstand."
Johannes Kulms, Dlf-Korrespondent für Schleswig-Holstein

Laut Thomas Fischer, der bei der Deutschen Umwelthilfe den Bereich Kreislaufwirtschaft leitet, sind die Fronten ziemlich verhärtet. Der deutsche Handel sträube sich gegen ein Pfandsystem für dänische Kunden. Und die dänischen Händlerinnen und Händler hätten wenig Lust, in Deutschland gekaufte Dosen zurückzunehmen. So könne das nicht weitergehen, so der Umweltschützer.

"Junge Leute gehen für Klimaschutz und gegen Einwegmüll auf die Straße. Es kann doch nicht angehen, dass wir diese Müllsauerei in der Grenzregion zwischen Deutschland und Dänemark dulden."
Thomas Fischer, Deutsche Umwelthilfe

Eine Regelung für die Dosen aus Deutschland in Dänemark wird wohl bald über die gerichtliche Ebene gefunden werden. Die Dänische Handelskammer hat wegen des Pfandthemas gegen die Bundesrepublik bei der EU-Kommission geklagt. Ein Urteil könnte es diesen Herbst geben. Ziel der Handelslobby aus Kopenhagen ist es, die deutschen Händler zur Erhebung des Pfands zu zwingen.