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An der Uni Toronto in Kanada können Studierende jetzt das Seminar "Deconstructing Drake and The Weeknd" besuchen. Ähnliche Angebote gibt es auch bei uns: Musik wird genutzt, um gesellschaftliche Themen zu diskutieren.

Die Idee zu dem Lehrangebot hatte Dalton Higgins von der Ryerson Universität in Toronto. Er hat schon Bücher über Drake geschrieben und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Hip-Hop. Es sei nun endlich Zeit, sich nicht nur mit den US-amerikanischen, sondern auch mit den kanadischen Musik-"Ikonen" wissenschaftlich zu beschäftigen, hat er einem kanadischen TV-Sender erzählt.

"I think it is an opportune time to get Canadian rap and RnB icons recognized and canonized academically."

Drake und The Weeknd kommen beide aus Toronto. In dem Kurs des Publizisten und Journalisten geht es um Leben, Karriere und Songtexte der Musiker. In den letzten Jahren seien Hip-Hop und RnB zur dominierenden Musikrichtung geworden, sagt Higgins. Deshalb wäre es doch spannend, sich mal ganz genau anzuschauen, wie es zwei Künstler aus der eigenen Stadt eigentlich geschafft haben, sich international durchzusetzen.

HipHop und RnB aus Toronto

Es geht vor allem um Musikbusiness, Marketing und Markenbildung der Persönlichkeiten. Es ist also auch viel BWL dabei, vermutet Niklas Potthoff von Deutschlandfunk Nova.

Für Higgins ist Toronto "die multikulturellste Stadt der Welt". Drake ist schwarz und jüdisch, The Weeknd hat Wurzeln in Äthiopien.

Durchsetzungskraft von Minderheiten

An deren Beispiel möchte Higgins den Studierenden zeigen, wie es klappen kann, sich aus einer Minderheitsposition heraus zu kämpfen. Und was die Studierenden in Toronto daraus für sich lernen können.

"Toronto is the most multicultural city in the world. I want students to be able to look at Drake and The Weeknd as racial and cultural class prism. Drake is black and jewish, The Weeknd is Atheopian, so there is a lot to unpack."

Um Musik geht es in dem Lehrangebot zwar schon auch, aber sehr akademisch, erklärt Niklas Potthoff. Dalton Higgins hat amerikanische Literatur studiert und ist fasziniert davon, wie Drake Texte schreibt und welche Stilmittel er benutzt, zum Beispiel Metaphern. Könnte also manchmal auch eine Art Gedichtanalyse werden, die ihr aus dem Deutschunterricht kennt.

Musikstar-Seminare weltweit

Die Möglichkeiten, sich in den USA an der Uni mit Musikgrößen zu beschäftigen, sind vielfältig – die Dozierenden nehmen eine prominente Person und handeln anhand von ihr Themen ab:

Auch in Deutschland nehmen diese Angebote zu. So was wie "Bushido auf Lehramt" studieren gibt es zwar noch nicht. An der Uni Köln gab es aber zum Beispiel erst vor kurzem das Seminar "Von Haftbefehl über Helene Fischer bis zur Hamburger Schule - Geschichte und Ästhetik deutschsprachiger Musikvideos". Bei den Kursen an deutschen Unis geht es meistens nicht nur um eine Person, sagt Niklas Potthoff. In den USA laufe das etwas plakativer ab, da heiße es dann: Das ist ein Beyoncé-Seminar!

Musik und feministische Texte

Solche Angebote gibt es auch in anderen europäischen Ländern: In Kopenhagen hieß ein Seminar 2017 zum Beispiel "Beyonce, Gender and Race" und thematisierte die Rolle der Musikerin für den Feminismus, beschäftigte sich aber auch mit ethnischer Zugehörigkeit. Beyonces Alben wurden angehört, aber auch Texte von schwarzen Feministinnen gelesen, um die Theorien in Bezug zur Musik zu setzen. Als Abschlussprüfung musste man ein Musikvideo analysieren. Der Professor meinte damals: Pop kann genutzt werden, um gesellschaftliche Themen zu diskutieren – und auch, um Ideologien zu kritisieren.