In Großbritannien sind die Supermarktregale leer und an den Tankstellen fehlt es an Sprit, denn es gibt zu wenig LKW-Fahrende, die die Waren von A nach B bringen. Das liegt vor allem daran, dass viele von ihnen wegen des Brexits in ihr Heimatland zurück mussten. Doch auch in Deutschland fehlen Arbeitskräfte – und das könnte zu einem ähnlichen Problem führen.

In Deutschland fehlt es derzeit schon an 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrende – auch ohne Brexit. Denn der Beruf ist für viele unattraktiv. Das hat nicht nur, aber auch mit dem niedrigen Lohn zu tun.

Krissy Mockenhaupt, Deutschlandfunk Nova
"Lohndumping ist ein großes Thema, insbesondere wenn Menschen z.B. aus Osteuropa so wie in ihrer Heimat bezahlt werden, obwohl sie nur in Deutschland fahren. Dazu kommt, dass es an Klos und Sozialräumen mangelt."

Der Mangel wird in den kommenden Jahren zunehmen – so der Bundesverband für Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung. Denn jedes Jahr gehen etwa 30.000 LKW-Fahrende in Rente. Es kommen aber nur rund 17.000 nach. Das bedeutet: In zwei bis drei Jahren könnte es in Deutschland so aussehen wie derzeit in Großbritannien.

Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden

Der Beruf wird nicht allein wegen des Lohnes unattraktiver. Dazu kommen noch andere Faktoren: zu wenig Parkplätze, mangelnde Sanitäranlagen, unberechenbare Arbeitszeiten. Schon jetzt fehlt es an 30.000 Parkplätzen an den Autobahnen.

"Es heißt nicht umsonst, dass LKW fahren kein Beruf, sondern eine Berufung ist. Man muss dafür leben und harte Arbeitszeiten, das ständige Wegsein und das Schlafen an der Autobahn aushalten können."
Katja Lopez, ehemalige LKW-Fahrerin

Katja Lopez war selbst mit ihrem LKW auf den Straßen unterwegs. Inzwischen hat sie das Lenkrad gegen den Schreibtisch getauscht und kümmert sich um die Organisation. Sie kann verstehen, dass es nicht viele Menschen zum LKW zieht.

Rückgang von LKW-Führerscheinen

Es gibt aber noch einen weiteren Grund: Früher reichte ein PKW-Führerschein aus, um LKWs bis zu siebeneinhalb Tonnen zu fahren. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Außerdem gab es bis zur Abschaffung der Wehrpflicht viele Menschen, die ihren LKW-Führerschein während des Wehrdienstes kostenlos machen konnten – etwa 15.000 gab es deshalb jährlich mehr auf dem Arbeitsmarkt.

Heute fallen all jene, die sowieso einen Führerschein hatten und deshalb die Chance ergriffen, weg. Die Mühen und die Kosten von rund 2.500 Euro erschweren den Zugang.

"Ich bin zwischen 1 und 2 Uhr morgens aufgestanden, habe um 3 Uhr den LKW beladen und bin raus gefahren. Der Arbeitstag ist dann aber nicht um 10 oder 11 zu Ende, sondern wenn man Pech mit Stau oder eine Vollsperrung hat, erst um 15 Uhr."
Katja Lopez, ehemalige LKW-Fahrerin

Auch die Arbeitszeiten sind wenig attraktiv. Auch wer wie Katja Lopez im Nahverkehr fährt und jeden Tag nach Hause kann, weiß nicht wie lange ein Arbeitstag durch Verzögerungen wie Stau werden kann.

Körperliche Anstrengung durch Aufladen

Sie selbst sitzt nun im Büro. Denn mit 1,60 m Körpergröße und 50 Kg Gewicht sei es körperlich zu anstrengend geworden, Tonnen von Stahlrohr oder Heizungsanlagen mit mehreren hunderten Kilo in den LKW zu wuchten. Trotzdem fehlt ihr auch manchmal die Straße: Dort sei sie ihre eigene Chefin.

"Am Anfang der Pandemie wurden LKW-Fahrer auf einmal gefeiert, wurden vorgelassen usw. Aber mittlerweile ist es wieder so, dass man als LKW-Fahrer an allem Schuld hat: am Unfall, am Stau… das ist irgendwo auch psychisch eine Belastung."
Katja Lopez, ehemalige LKW-Fahrerin

Katja Lopez sagt auch: Der Lohn ist oftmals nicht so schlecht, je nachdem bei welchem Unternehmen LKW-Fahrende untergekommen sind. Dann gebe es auch Spesen und Nachtzuschläge. Freizeit und Familie sind aber dennoch oft eher Fehlanzeige, gerade für Fahrer*innen im Fernverkehr.

Sie betont außerdem: LKW fahren kann auch zur psychischen Belastung werden. Gerade weil oft ihnen die Schuld an Staus und Unfällen gegeben wird.