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Es ist Herbst. Und das macht was mit uns. Für Fatma ist die Jahreszeit ein Neuanfang. Andere fühlen sich antriebslos oder grübeln. Ein Chronobiologe erklärt, was mit dem Körper passiert. Und eine Psychologin gibt Alltags-Tipps, damit wir uns besser fühlen.

Der September war noch überdurchschnittlich warm. Aber jetzt ist es morgens frisch. Die Hände frieren auf dem Fahrrad und es wird früher dunkel. Manchmal bleibt es tagelang nass. Manche werden im Herbst melancholisch, teilweise auch antriebslos und igeln sich eher ein. Auch Fatma kennt solche Momente, aber ihr Verhältnis zum Herbst hat sich stark verändert. Sie sagt: "Als Teenager habe ich den Herbst tatsächlich gehasst, weil er sich wie ein Ende angefühlt hat." Viele von Fatmas Freund*innen sind am Ende des Sommers zurück in die Heimat gefahren. Ein Gefühl von endgültigem Abschied lag in der Luft.

"Ich fühle mich eigentlich im Herbst sehr gut, weil sich der Herbst für mich wie ein echter Neuanfang anfühlt. Das war aber leider nicht immer so."
Fatma, feiert den Herbst meistens

Inzwischen feiert sie den Herbst eher wie einen Neuanfang. "Nach der Uni-Zeit habe ich tatsächlich angefangen, den Herbst richtig zu romantisieren. Ich glaube, das ist eigentlich auch der Grund, warum ich ihn so sehr liebe. Ich richte mir zu Hause alles schön ein, ich dekoriere herbstlich und ich lese herbstliche Bücher", sagt sie. Sie geht auch gerne im Wald spazieren.

Wenn es früh dunkel wird, beginnen die Gedanken zu kreisen

Aber – obwohl sich ihre Einstellung zum Herbst grundlegend geändert hat – manchmal schleicht sich doch dieses Gefühl der Traurigkeit ein: "Besonders am Abend, da endet ja der Tag auch so früh. Tagsüber merkt man das eigentlich kaum, weil man beschäftigt ist, arbeitet oder irgendwas zu tun hat. Aber abends, wenn es dunkel wird, kommen die ganzen Gedanken hoch, die ich unterdrückt habe und suchen irgendwie nach Antworten und Lösungen. Und dieses leere Gefühl kann manchmal ziemlich belastend sein."

Fatma sagt, weil das Schuljahr oder auch das Wintersemester immer zum Herbst beginnen, ist bei ihr dieses Gefühl geblieben, dass im Herbst doch eigentlich etwas Neues startet. Nach dem Abschluss des Studiums hat sie dann für sich beschlossen, dass sie selber diesen Neuanfang gestalten muss.

Chronobiologie: Wenn wir weniger Licht aufnehmen

Henrik Oster ist Chronobiologe und leitet das Institut für Neurobiologie an der Universität zu Lübeck. Er untersucht, wie sich die Zeit auf biologische Funktionen des Körpers auswirkt – ein Beispiel ist der Schlaf-Wach-Rhythmus.

Henrik Oster weiß auch, inwiefern der Herbst uns verändert. Einerseits sinken die Temperaturen. Aber entscheidend sei, dass wir im Herbst weniger Tageslicht abbekommen. "Die Tage werden kürzer und damit wird auch insgesamt die Menge an Licht, die wir mit unserem Körper aufnehmen, weniger", sagt der Chronobiologe. Künstliches Licht könne das Sonnenlicht nicht ausgleichen – auch nicht wenn dicke Wolken die Sonne verdecken.

"Die Beleuchtung, die wir in den Räumen haben, die entspricht lange nicht dem, was man draußen an Licht kriegt. Selbst wenn es bewölkt ist."
Hendrik Oster, Chronobiologe an der Universität zu Lübeck

Auch die Kälte führt dazu, dass wir uns anders verhalten. "Wir sind zumindest dann im Winter auch weniger aktiv, weniger draußen und diese Aktivität fördert natürlich die Durchblutung und damit beeinflusst es auch unsere Gehirnfunktion", sagt Henrik Oster.

Weniger Licht, längere Nächte, kühlere Temperaturen, weniger Bewegung an der frischen Luft – all das hat einen Einfluss auf die Funktionen unseres Körpers, zum Teil auch auf den Hormonhaushalt und spielt eine Rolle dabei, wie es uns im Herbst geht. Aber können wir auch etwas daran ändern?

"Dieses etwas Antriebslosere, Energielosere, Erschöpftere und vielleicht auch Melancholischere – ich glaube, das ist das, was man so gerne in der Gesellschaft als typischen Herbstblues bezeichnet."
Sabrina Moll, Psychologin und Therapeutin

Sabrina Moll ist Psychologin und Therapeutin, sie sagt, dieser sogenannte Herbstblues ist etwas, womit wir umgehen können. "Gerade die Erschöpfung, wenn man sich mehr spürt, wenn alles ein bisschen weniger aktiv und ein bisschen ruhiger ist, kann man ja auch dazu nutzen, das Ganze mal als Signal zu sehen. Vielleicht sagt es was über die eigenen Grenzen, die die letzten Monate irgendwie überschritten wurden", sagt Sabrina Moll.

"Ich glaube, ganz wichtig ist, dass natürlich jetzt nicht jede gedrückte Herbststimmung gleich eine Depression ist, sondern tatsächlich etwas ist, womit man umgehen kann.
Sabrina Moll, Psychologin und Therapeutin

Die Ratschläge der Psychologin

Die Psychologin sagt, manchmal helfen schon kleine Momente und Aufmerksamkeiten, die sich in den Alltag einbauen lassen und die uns dabei helfen können, dass wir uns im Herbst besser fühlen.

  • Die Zeit nutzen, um wieder mehr mit sich selbst in Kontakt zu kommen.
  • Jeden Tag ein bisschen raus und Bewegung an der frischen Luft – im Tageslicht.
  • Soziale Kontakte, Aktivitäten, Ablenkung: Lässt sich auch im Herbst organisieren. Und sei es ein Telefonat mit einer Freundin, wenn es regnet und wir keine Lust haben, das Haus zu verlassen.
  • Abends drei Dinge notieren, die wir auch im Herbst schön finden: zum Beispiel Tau-Tropfen auf den Gräsern.

Sabrina Moll hat auch eine ganz konkrete Übung, die wir regelmäßig machen können, um unsere Gedanken und Grübeleien etwas besser in den Griff zu bekommen: Abends nach der Arbeit – aber mindestens zwei Stunden, bevor wir ins Bett gehen – hinsetzen, einen Wecker auf 10 Minuten timen, etwas zu schreiben parat legen und dann einfach mal den Gedanken Raum geben – egal, was da kommt. "Und dann einfach mal kurz mit ein paar Stichworten notieren, was durch den Kopf geht, auch kurz zulassen, dass das vielleicht auch ein bisschen unangenehmere Dinge sind, an die man gerade denkt", sagt sie.

"Sich diese zehn Minuten wirklich bewusst erlauben, auch vielleicht in etwas schwerere Fragen einzusteigen."
Sabrina Moll, Psychologin und Therapeutin

Die Psychologin empfiehlt, mal eine Weile diese zehn Minuten in den Tag einzubauen. "Wenn man das mal so ein, zwei Wochen macht, dann weiß das Nervensystem, ich habe da meine Zeit. Es kann zwischendrin viel leichter vom Grübeln loslassen. Es setzt sich in diesen zehn Minuten viel konstruktiver damit auseinander, weil wir nicht in so eine Vermeidung oder in so einen Kampf dagegen gehen." Oft falle es anschließend leichter, die Gedanken dann wieder loszulassen und es sei auch möglich, konstruktiver mit den Grübeleien umzugehen.

Unterschied zwischen Herbstblues und Depression

Die Psychologin sagt, es sei sehr wichtig zu unterscheiden, dass nicht jede Melancholie und getrübte Stimmung im Herbst mit einer Depression gleichzusetzen ist. Gleichzeitig gebe es aber sehr klare Anzeichen, woran sich erkennen lasse, dass eine Person nicht nur einen temporären Herbstblues hat, sondern vielleicht eine Depression. "Da reden wir nicht nur von ein paar melancholischen Momenten am Tag, sondern wirklich durchgehend gedrückter Stimmung, Interessens- und Freudverlust. Alles, was einem sonst gut tut oder Freude bereitet, erreicht einen überhaupt nicht mehr auf der emotionalen Ebene." Auch ein deutlich verminderter Antrieb, eine erhöhte Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle oder auch eine starke Selbstabwertung – all das seien Signale, dass wir uns professionelle Hilfe holen sollten.

Für Fatma ermöglicht der Herbst persönliches Wachstum

Der Herbst ist vielleicht nicht die leichteste Jahreszeit, aber er hat durchaus schöne Seiten und viel Potenzial, uns weiterzubringen. Diesen Rat hat zumindest Fatma immer von ihrer Mutter bekommen.

"Ich glaube, dass Momente, in denen wir uns auch traurig fühlen, sehr wertvoll sind, weil wir wachsen nicht in guten Zeiten, sondern durch Herausforderungen und Zeiten, die sich schwer anfühlen und genau der Herbst gibt uns eigentlich diese Möglichkeit", sagt sie, "wenn die Traurigkeit zu dir kommt, heißt das, du wächst und entwickelst dich einfach weiter und das Universum schickt dir nur Zeichen, die du brauchst, damit du mehr zu dir selbst kommst und deswegen schätze ich den Herbst eigentlich so sehr, weil er mir diese Möglichkeit gibt, in mich hineinzuschauen."

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