Menschen auf Rollern, schnellen Rollern – die können wir seit einem Monat in mehreren deutschen Städten beobachten. Über E-Scooter wurde im Vorfeld viel diskutiert und Kritik geäußert. Zu Recht? Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt wagt eine erste Bilanz.

Vier Wochen E-Scooter – wie lässt sich das am besten bewerten? Zum Beispiel anhand der Einschätzungen der Städte mit E-Scooter-Angeboten. Unser Reporter hat sich Beiträge über und Pressemitteilungen von den Städten angeschaut, um einen möglichst umfassenden ersten Eindruck zu bekommen.

Eine erste positive Bilanz ziehen unter anderem Münster, Düsseldorf, Herne oder Potsdam – da habe es bislang kaum Unfälle, Beschwerden oder andere Probleme gegeben. In anderen Städten hat die Polizei allerdings mehrfach E-Scooter-Fahrerinnen abgemahnt oder sogar angezeigt. Und in Köln wurden E-Scooter am vergangenen Mittwoch (10. Juli) verstärkt kontrolliert: Knapp die Hälfte der überprüften Fahrerinnen und Fahrer hat sich laut Polizei nicht an die Regeln gehalten.

Gleiche Promille-Regeln wie beim Autofahren

In Köln wurde auch ein Mann mit 0,9 Promille Alkohol im Blut angehalten, wie der WDR berichtet. Und das wurde richtig teuer: Er musste 500 Euro Bußgeld zeigen. Denn für E-Scooter-Fahrer gelten die gleichen Regeln wie für Autofahrerinnen. Es sind maximal 0,5 Promille Alkohol im Blut erlaubt. Und wer einen Unfall verursacht, kann auch mit 0,3 Promille den Führerschein verlieren.

Einen besonders kuriosen Fall meldete die Stadt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen: Dort ist ein 28-Jähriger mit einem E-Scooter über die Autobahn gefahren – sieben Kilometer lang. Seine Begründung: Er wollte nicht auf den Zug warten.

"Einige waren auf dem Gehweg unterwegs – statt auf dem Fahrradweg oder der Straße, wo man die E-Scooter ja ausschließlich fahren darf."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Außerdem waren manche auf Gehwegen mit E-Scootern unterwegs, obwohl sie auf dem Fahrradweg oder der Straße hätten fahren müssen. Und die Polizei hat zwei Menschen auf einem Roller erwischt – auch das ist nicht erlaubt.

Die Kölner Polizei hat am 10. Juli allerdings zusätzlich Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer kontrolliert: Auch hier gab es etliche Verstöße – es sind also nicht immer nur Leute auf E-Scootern, die sich nicht an die offiziellen Regeln halten.

Bisher keine offizielle Statistik über Unfallzahlen

Auch Unfallzahlen können Aufschluss über einen positiven oder negativen Einfluss der E-Scooter im Verkehr geben. Die meisten in den Städten gemeldeten E-Scooter-Unfälle sind bislang einstellig: In Berlin wurden beispielsweise mindestens sieben Unfälle mit insgesamt acht Schwerverletzten mit Knochenbrüchen und Kopfverletzungen registriert.

"Mein Eindruck ist auch: Im Moment probieren viele Leute die Dinger erst noch aus, da müssen wir sowieso noch abwarten wie sich das entwickelt."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Eine offizielle Statistik gibt es laut der Unfallforschung der Versicherer allerdings derzeit nicht. Daher können die Unfallzahlen zum Beispiel noch nicht mit der Anzahl von Fahrradunfällen in den Städten verglichen werden.

Und wichtig ist auch: Nach einem Monat kann die Bilanz nur vorläufig sein. Das ist auch der Eindruck unseres Reporters – gerade geht es ums Ausprobieren. Ob die E-Scooter langfristig viel genutzt werden und wie sie sich dann auf den Verkehr auswirken, wird sich zeigen, sagt Johannes.