Eine App zum Bus- und Bahnfahren in ganz Deutschland. Praktisch! Jeder könnte einfach auf seinem Smartphone nachschauen, wie er am besten von A nach B kommt, und dann beispielsweise direkt in Bonn sein Ticket für den Nahverkehr in Berlin buchen.

Es herrscht App-Chaos: KVB, RMV, VRR, HVV, BVG - nahezu jeder Verkehrsverbund, der elektronische Tickets für Smartphones anbietet, hat eine eigene App. Wirklich praktisch ist anders. Verbundübergreifende Angebote sind meist Fehlanzeige. Die Deutsche Bahn hat sogar angekündigt, ihre App Touch & Travel Ende November 2016 einzustellen. Neukunden können sich bereits nicht mehr registrieren.

Konzept der App war ein Check-In-Check-Out-System, mit der Reisende sich an Haltestellen einchecken und am Fahrtende wieder auschecken konnten - die Rechnung wurde danach zugeschickt. Als Gründe für die Einstellung gibt das Unternehmen an, dass Fahrgäste im Nahverkehr eine Alles-aus-einer-Hand-App mit Informationen und zusätzlichen Services erwarten, diese aber vorrangig bei ihrem lokalen Verkehrsverbund suchen.

Neue Konzepte und Ideen zum digitalen Reisen

Doch inzwischen gibt es eine Initiative, die an der ultimativen Vernetzung arbeitet und einige Unternehmen tüfteln an neuen Konzepten: Handyticket Deutschland bietet eine App an, die Fahrpläne und Tarife der verschiedenen Verkehrsregionen bündeln will. Gute Idee, klappt allerdings noch nicht ganz: Aktuell sind 18 Verkehrsverbünde enthalten, vorwiegend im Osten, in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg.

Außerdem hat das Kölner Unternehmen VDV eTicket eine Technologie entwickelt, mit der die Apps der einzelnen Verkehrsverbünde vernetzt werden können. Damit soll es dann problemlos möglich sein, aus der App der Kölner Verkehrsbetriebe heraus ein Ticket in München zu buchen. Bis es so weit ist, werden aber noch ein bis zwei Jahre vergehen, schätzt ein Sprecher des Unternehmens. Und ob dann wirklich ganz Deutschland erfasst wird, ist noch nicht klar.

"Mittlerweile hat es in der Digitalisierung erhebliche Schübe gegeben, das heißt wir können jetzt mithilfe eines Smartphones Dinge tun, die wir noch vor 20 Jahren gar nicht zu denken glaubten."
Andreas Knie, Professor für Soziologie an der TU Berlin

Mithilfe der digitalen Technik können alle Verkehrsmittel vernetzt und zu einer einzigen großen Dienstleistung zusammengefügt werden, sagt AndreasKnie, Professor für Soziologie an der TU Berlin und Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, an dem unter anderem große Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Siemens und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beteiligt sind.

Alle Angebote in digitaler Form

Außerdem geht der Wissenschaftler davon aus, dass Kunden inzwischen alle Angebote auch in digitaler Form wünschen. Und das sogar noch über den Bus- und Bahnverkehr hinaus: „Kunden erwarten auch, dass sie nicht nur U-Bahn und Bus, sondern dass sie auch Mietauto, Mietrad, alles auf einer App buchen können, und dass sie dafür vor allem nicht sieben oder acht unterschiedliche Apps brauchen, sondern eine einzige App.“