Beim Klimagipfel in Bonn diskutieren alle über Kohle und CO2-Ausstoß. Andere machen einfach - die Ruhrgebietsstadt Bottrop ist besonders erfolgreich. Verena von Keitz hat sich für uns in der Musterstadt umgehört.

Bottrop stößt heute 100.000 Tonnen CO2 weniger aus als im Jahr 2010. Und wird es wohl schaffen, die Pariser Klimaziele einzuhalten. Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Regionen. Wie machen die das? Die Stadt setzt vor allem beim Energieverbrauch von Wohnhäusern an.

Bottrop ist 2010 als Modellstadt ausgewählt worden, um zu testen, wie sich der CO2-Verbrauch einer Stadt senken lässt - und es geht bei dem Pilotprojekt um eine Region mit 70.000 Einwohnern und etwa 14.000 Häusern. Verena hat darüber mit Rüdiger Schumann von der Innovation City Management-Gesellschaft gesprochen, die für die Umsetzung verantwortlich ist:

"Als Beispiel gibt es die sogenannten Zukunftshäuser, die eben aus den 60er Jahren eigentlich energetisch relativ katastrophal waren vorher und die jetzt mehr Energie produzieren als sie verbrauchen."
Rüdiger Schumann, InnovationCity Ruhr

Und das schlägt sich natürlich nieder in der CO2-Bilanz. Produzieren diese Häuser wirklich mehr Energie, als sie verbrauchen? Rüdiger Schumann erklärt es an einem Beispiel: 

"Wir haben beispielsweise ein Mehrfamilienhaus das 43.000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr verbraucht an Strom und Wärme. Dieses Haus hat nach der Sanierung einen Verbrauch von 18.000 kWh, produziert aber selber um die 23.000 kWh."
Rüdiger Schumann, InnovationCity Ruhr

Jedes Jahr liefert das Haus 5000 Kilowattstunden. Das Besondere im Fall Bottrop ist, dass bei diesem Projekt Hausbesitzer ganz gezielt beraten werden, wie sie ihre Häuser sanieren können.

Rüdiger Schumann sagt, dass von 10.000 Einfamilienhäusern, die im Privatbesitz sind, sich etwa 3000 Besitzer haben beraten lassen - und sich durch diese Beratung offenbar für eine Sanierung entschieden haben.

"Wir liegen im Moment bei einer Quote von 56 Prozent der Eigenheimbesitzer, die diese Beratungssteps aus der Energieberatung umgesetzt haben. Und das ist sicherlich deutschlandweit einzigartig."
Rüdiger Schumann, InnovationCity Ruhr

Wenn man die Gesamt-Sanierungsrate betrachtet, liegt in Deutschland der Durchschnitt jährlich bei 0,8 Prozent. In Bottrop liegt die Rate bei 3 Prozent. Sie ist also fast viermal so hoch.

Anreize für Elektromobilität

Hinzu kommen in Bottrop insgesamt mehr als 300 Projekte. Wohnen ist ein Bereich, aber Verkehr spielt natürlich auch eine Rolle:

Es geht auch darum, Elektromobilität zu fördern. Bottrop hat nach Angaben von InnovationCity mit die höchste Dichte an Elektroladesäulen. Sozialverbände werden angehalten, ihre Fahrzeugflotte auf Elektroautos umzustellen.

CO2-Emissionen reduziert

Mit dem Ansatz ist Bottrop Vorbild auch für andere Städte in der Region. Das Projekt wird über zehn Jahre hinweg überprüft und bewertet. Nachgehalten wird insbesondere wie sich der CO2-Ausstoß verringert - und bis jetzt sieht es offenbar sehr gut aus.

Aber wer bezahlt das eigentlich? Für Bottrop haben sich um die 60 Sponsoren aus der Wirtschaft gefunden. Die muss eine Stadt erst mal haben, wenn sie diese Aufgabe stemmen möchte, aber hier gibt es viele Förderprogramme. Die Bottroper InnovationCity hofft darauf, dass die künftige Bundesregierung in den klimaverträglichen Stadtumbau investiert und weitere Programme für Städte und Kommunen startet.