Viele Arbeitgeber erwarten immer noch vollen Einsatz, Leidenschaft und vollste Flexibilität. Dafür bieten sie angebliche Selbstverwirklichung und die ganz große Bedeutung. "Wir müssen umdenken," sagt der Buchautor Volker Kitz.

Viele Stellenanzeigen lesen sich ungefähr so. Für das weltbeste und leidenschaftlichste Team suchen wir einen flexiblen, hoch motivierten Mitarbeiter. Das Versprechen: hier wird an den ganz großen Rädern gedreht. Darunter machen wir es nicht. "Jede Hoteltoilette wird heute angeblich mit Leidenschaft geschrubbt," sagt Volker Kitz. Doch wer den Job antritt, merkt sehr schnell: Es ist alles ganz normal - und nicht alle Kollegen sind super-nett. Oder mit den Worten von Volker Kitz: "Die Idioten müssen ja auch irgendwo arbeiten." In seinem neuen Buch räumt Volker Kitz mit den Lügen des Arbeitslebens auf. Eine davon steht schon im Titel: "Feierabend: Warum man für seinen Job nicht brennen muss".

"Wir sollten wieder mehr Arbeit toll machen, nicht toll finden."
Volker Kitz

Volker Kitz hat lange als Anwalt gearbeitet und nebenbei Bücher geschrieben. Doch die Zeit wurde knapp. "Immer müde zu sein war für mich kein Zustand", sagt er. Also hat er sich für einen Job entschieden. Heute lebt er von Vorträgen und Büchern. Studiert hat Kitz Jura und Psychologie, unter anderem in New York. Am 11. September 2001 hat er nur ein paar Blocks vom World Trade Center gewohnt und die Katastrophe mitbekommen.

"Mit einem nötigen Schuss Distanz machen wir unsere Arbeit besser."
Volker Kitz

Dieses Erlebnis hat auch dazu geführt, dass sich Kitz mit der Sinnfrage beschäftigt hat - insbesondere mit Bezug auf unseren Job. Er hat erkannt: Leidenschaft und Herausforderung sind dabei vielleicht keine guten Maßstäbe. "Sie müssen ja nur mal eine Folge DSDS gucken - da singen Menschen mit sehr viel Leidenschaft sehr schlecht." Leidenschaft und Qualität haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.

Gleiches gilt für Herausforderungen. Denn Routine ist nicht nur ganz normal, sondern auch sinnvoll. "Ich will nicht mit einem Piloten fliegen, der sagt: dieser Flug ist eine Herausforderung für mich." Es gibt da diese berühmte Geschichte vom 56-jährigen Herzchirurgen, der das Skalpell gegen die Fahrerkabine eines Lkw eintauscht. Weil das immer sein Traum war. Kitz hat diese Geschichte mal auf einer Veranstaltung gehört. Ein Redner direkt vor ihm hat sie erzählt. Kitz ist daraufhin auf die Bühne getreten und hat gesagt. "Stellen wir uns mal für einen Moment vor, die Geschichte wäre umgekehrt." Das Resultat: Gelächter.

In Eine Stunde Talk erzählt Volker Kitz, warum er sich die Sinnfrage gestellt hat, warum gute Bezahlung den Sinn nicht nimmt und warum er einen schottischen Whiskey mit Sigmund Freud trinken will.