Wenn wir ans Vergeben denken, fühlt es sich möglicherweise so an, als ob wir dem Anderen damit einen Gefallen tun. Vergebung bedeutet aber nicht, Unrecht zu entschuldigen, zu leugnen, zu verharmlosen oder zu vergessen.

Vergeben heißt nicht: "Ach, ist schon ok, vergiss es." Was Vergebung mit Achtsamkeit und beides mit unserem Wohlbefinden zu tun hat, besprechen die Psychologin Main Huong Nguyen und Moderatorin Diane Hielscher in dieser Folge von "Achtsam".

"Wenn wir vergeben, dann vergeben wir vor allem für uns selbst. Aber viele verstehen das so, dass es eine Absolution für den Anderen ist: Jetzt hat derjenige Recht bekommen. Und deswegen ist es für viele so schwer zu vergeben."
Main Huong Nguyen, Psychologin

Main Huong zeigt am Beispiel einer Studie auf, dass es für unsere psychische Gesundheit gut ist, wenn wir uns zunächst einmal selbst vergeben.

"Der andere Grund ist, dass so starke Gefühle hochkommen: Verletzung, Kränkung und unglaubliche Wut. Und wenn man dann nicht gewohnt ist, sich mit seinen Gefühlen auseinander zu setzen, dann denkt man, das sei ein integraler Bestandteil meines selbst, also: 'Ich bin jetzt diese Wut' oder: 'Ich bin jetzt diese Kränkung'.“
Main Huong Nguyen, Psychologin

Verletzte Menschen verletzen andere

Außerdem besprechen Main Huong und Diane, wie wir jemandem vergeben können, der uns Unrecht getan hat und weshalb das für uns selbst so wichtig ist.

"Es gibt ja diesen Spruch: hurt people hurt people. Und ich hab schon oft gelesen, dass es vielen Menschen leichter fällt zu vergeben, wenn sie den Schmerz des Anderen auch wahrnehmen."
Diane Hielscher, Moderatorin

Verletzungen, die wir ein Leben lang mit uns herumschleppen, verletzen vor allem uns – nicht die Person, die sie uns angetan hat. Und deswegen ist Vergebung unser Thema in dieser Ausgabe von "Achtsam".

"Das heißt wie gesagt nicht, dass man das gutheißen oder rechtfertigen muss, was passiert ist! Es heißt nur, dass verletzte Menschen noch stärker andere Leute verletzen."
Diane Hielscher, Moderatorin

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