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Das Sommersemester ist gestartet. Doch das Studium läuft nicht wie geplant: Viele Studierende büffeln von zu Hause aus, die Vorlesungen finden per Video-Chat statt. Der echte Kontakt zu anderen Studierenden fehlt. Im kleinen WG-Zimmer oder der Mini-Bude in einer fremden Stadt kann das zum ernsthaften psychologischen Problem werden, weiß der Psychologe Wilfried Schumann.

Studierende hätten derzeit eine Menge Frustration, sagt Wilfried Schumann. Er ist Psychologe und Leiter des psychologischen Beratungsdienstes der Uni Oldenburg. Ihn können Studierende kontaktieren, wenn sie Hilfe benötigen. Das Studium entspreche derzeit nicht den Vorstellungen und könne nicht wirklich begonnen werden, sagt er. Bei den Beratungsgesprächen, die er mit Studierenden führt, sei das ein Hauptthema.

"Studierende haben wirklich eine Menge Frustration. Das Studium, das sie sich versprochen haben, kann für sie überhaupt nicht beginnen. Bei den Beratungen, die wir durchführen, spielt das eine Hauptrolle."
Wilfried Schumann, Psychologe

Im Extremfall werde manchmal sogar der Abbruch des Studiums in Erwägung gezogen. Alleine in einer fremden Stadt und ohne Anbindungspunkte zu sein, die es sonst auf dem Campus gibt, sei für Studierende schon eine große Belastung, so der Psychologe.

Problem der sozialen Isolation

In den Beratungsgesprächen versucht Wilfried Schumann mit den Studierenden Möglichkeiten und Wege zu finden, das Studium unter den derzeitigen Bedingungen einigermaßen erträglich zu gestalten. Dabei nimmt er vor allem das Problem der drohenden sozialen Isolation ernst. Um in Kontakt mit anderen Studieren zu bleiben, rät er zum Beispiel, sich per Video-Chat in Tandems oder kleinen Gruppen zu organisieren. Solche Partnerschaften würden Strukturen im Alltag schaffen, die Halt geben.

"Wie kann ich es schaffen, dass ich den Tag so strukturiere, dass ich das irgendwie mit anderen Menschen verbinde? Praktisch kann man das so machen, dass man sich in kleinen Gruppen oder Tandems organisiert."
Wilfried Schumann, Psychologe

Dabei seien kleinere Verabredungen zu bestimmten Tageszeiten denkbar, um Dinge und Abläufe zu besprechen. Oder die Studierenden haben sich permanent gegenseitig auf dem Schirm. Das schaffe eine Atmosphäre ähnlich wie in einem Großraumbüro oder in der Bibliothek, sagt Wilfried Schumann.

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Studierenden, die mit der Situation nicht so gut zurechtkämen, rät der Psychologe dringend dazu, mit solchen Möglichkeiten zu experimentieren. Es sei wichtig, eine Situation zu schaffen, in der Studierende sich ein bisschen eingebunden fühlen.

Feste Termine mit anderen Studierenden im Tagesplan können dabei helfen. Das würde motivieren und gäbe auch ein Stück sozialer Kontrolle zurück. Heißt: Das Zusammensein mit anderen fördere, dass wir geplanten Aufgaben nachgehen, anstatt uns mit anderen Dingen abzulenken. Auch das sei für viele ein wichtiger Faktor, um am Ball zu bleiben, so der Psychologe.

Lasst euch helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest, findest du hier einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

  • Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichst du rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen du über deine Sorgen und Ängste sprechen kannst. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.
  • Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.
  • Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch.
  • Hier findest du eine Übersicht von Telefon- und Online-Beratungen in Deutschland: suizidprophylaxe.de.