Umweltfreundliche Elektro-Autos sind in Norwegen derart beliebt, dass sie die Infrastruktur zunehmend überfordern: Es gibt vor allem zu wenig Ladesäulen. Bei uns in Deutschland sind wir noch gar nicht so weit - und könnten von Norwegen und Japan lernen... 

"Das typische Henne-Ei-Problem: Die Entwicklung, die dazugehört, hält nicht schnell genug Schritt."
Jürgen Döschner, Energie-Experte

Auch wenn der E-Mobilität in Norwegen gerade Grenzen aufgezeigt werden, hält Energie-Experte Jürgen Döschner das Land für ein gutes Beispiel:

  • In Norwegen wurden Anreize geschaffen, die E-Autos auch tatsächlich zu kaufen – in Deutschland würde davon noch häufig Abstand genommen.
  • Die Autos dort fahren überwiegend mit Ökostrom – der Ökostrom-Anteil ist in Norwegen wesentlich größer als in Deutschland.

E-Ladestationen zu bauen, sei an sich nicht schwierig, so Jürgen Döschner. Man müsse das aber vorausschauend machen. Die Japaner wären da weit vorne – sie hätten bereits 2013 ein großes Programm aufgelegt. 

"Die Japaner haben inzwischen mehr Ladestationen als Tankstellen für Benzin oder Diesel."
Jürgen Döschner, Energie-Experte

Dabei sei der Anteil an E-Autos in Japan noch gar nicht so hoch wie etwa in Norwegen. Es sei dem Staat aber gelungen, die japanischen Autohersteller - unter anderem auch mit Zuschüssen - zu diesen Investitionen zu bewegen.

Japan und Norwegen als Vorbilder für Deutschland

Das Beispiel Japan zeige, dass es auch anders geht, so Döschner. In Deutschland kauften zwar noch nicht so viele Menschen E-Autos: Von 283.080 neuen PKWs auf deutschen Straßen im Juli 2017 sind 1820 Elektro- und 7383 Hybridautos ganz schön wenig. Marktführer ist inzwischen das US-amerikanische Unternehmen Tesla.

Doch trotzdem: Um solche Probleme wie die in Norwegen gar nicht erst zu bekommen, müsste Deutschland bereits jetzt schnell mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur beginnen, sagt Jürgen Döschner.

"Technisch ist das kein großes Problem: Strom ist in Deutschland an viel mehr Stellen vorhanden als Benzin."
Jürgen Döschner, Energie-Experte

Der Bau von Tanks entfalle. Eine Stromtankstelle könne man theoretisch an jeder Straßenlaterne einrichten.

Problem: die Ladezeit

  • Ein E-Auto aufzuladen, dauert noch bedeutend länger, als den Tank an der Zapfsäule zu füllen.
  • Ist das Auto an einer normalen Steckdose zuhause angeschlossen, muss es die ganze Nacht laden.
  • Wenn man etwa zur Miete wohnt oder gar keine Garage hat, entfällt auch das.
"Nötig sind öffentliche Schnell-Ladestationen mit Starkstrom."
Jürgen Döschner, Energie-Experte

Vom Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million E-Autos auf der Straße zu haben, seien wir aktuell "weit, weit entfernt", sagt Jürgen Döschner. Ebenso von der nötigen Ladeinfrastruktur.

"Anders als in Japan haben wir hier Autohersteller, die immer mit dem Finger auf die Regierung zeigen."
Jürgen Döschner, Energie-Experte

Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass genügend Ladestationen zur Verfügung stehen, hieß es zuletzt auf der IAA. Das sei ja aber damals, als das Benzinauto erfunden wurde, auch nicht gemacht worden.

"Die Besitzer der ersten Autos mussten ihr Benzin damals in der Apotheke kaufen."
Jürgen Döschner, Energie-Experte