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Wenn Elon Musk einen Tweet absetzt, kann das dazu führen, dass Kurse fallen: Tesla hat das Bezahlen mit Bitcoins, das kürzlich erst eingeführt worden war, aus Klimaschutzgründen wieder ausgesetzt. Dadurch ist der Bitcoin um etwa 10.000 Euro gefallen.

Seit Ende März konnte man seinen Tesla mit Bitcoins bezahlen. Sechs Wochen später ist das nun nicht mehr möglich. Dabei hat sich in dieser Zeit beim Thema Klimaschutz und Bitcoins eigentlich überhaupt nichts verändert, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Die Klimabilanz der Bitcoins sei heute keine andere als vor sechs Wochen, als Musk das Bezahlen per Bitcoin eingeführt hatte. Entsprechend ratlos hätten Beobachter auch auf die Tesla-Entscheidung reagiert.

Kehrtwende bei Tesla

Drei Absätze umfasst das Statement des Autobauers: "Wir sind besorgt über die schnell zunehmende Nutzung fossiler Brennstoffe für das Schürfen von Bitcoins – und die damit verbundenen Transaktionen." Das Unternehmen verweist auch auf den Einsatz der besonders CO2-schädlichen Kohle, mit der viel Energie für das Mining von Bitcoins generiert wird.

Im letzten Geschäftsquartal hat Tesla fast 100 Millionen US-Dollar Gewinn durch den Handel mit Bitcoins verzeichnet. Kein schlechter Verdienst. Es sei zwar nicht bekannt, wie viele Teslas mit Bitcoins bezahlt wurden, aber es werden sicher nicht viele gewesen sein, glaubt Andreas Noll.

Musks Worte bewegen viel

Trotzdem ist der Bitcoin-Kurs nach dem Tweet um zeitweise 17 Prozent in die Tiefe gerauscht. Die Worte Elon Musks werden bei den Bitcoin-Anlegern aufmerksam registriert, er gilt als einflussreicher Befürworter von staatlich unabhängigen Kryptowährungen und hat die Kurse schon mehrfach mit seinen Kommentaren bewegt. Genau das ist aber auch ein großes Problem dieser Währungen.

"Ein großes Problem der Kryptowährungen: Ihr Kurs lässt sich allein durch Meinungsäußerungen stark bewegen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Elon Musk hat gestern allerdings auch betont, dass er keine Bitcoin verkaufen werde und das auch in Zukunft nicht vorhabe. Tesla hat 2021 bereits 1,5 Milliarden US-Dollar seiner Kapitalreserven in Bitcoin umgeschichtet, berichtet unser Netzreporter. Jetzt will das Unternehmen darauf warten, dass die Energie für die Bitcoins klimafreundlicher produziert wird und sich parallel nach Kryptowährungen umschauen, die energieeffizienter sind.

Wie klimaschädlich Bitcoins sind

Auf der Internet-Seite des "Bitcoin Energy Consumption Index" ist aktuell ein Jahresenergieverbrauch für das Netzwerk von 115 Terrawattstunden verzeichnet. Das entspricht dem Jahresstromverbrauch der Niederlande. Andere Berechnungen liegen sogar noch höher. Bereits eine Bitcoin-Transaktion verbraucht etwa so viel Energie wie eine US-Familie im Schnitt in 38 Tagen.

"Man könnte Bitcoins als dreckigste Währung der Welt bezeichnen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Das Schürfen der Bitcoins erfolgt zu mehr als zwei Dritteln in China, erklärt Andreas Noll – und zwar in einer Gegend, in der der Strom mit Kohle produziert wird. Aber auch in Sibirien werden Bitcoins geschürft. Man könnte Bitcoins also als dreckigste Währung der Welt bezeichnen. Diese Informationen sind aber schon seit Jahren bekannt.

Ratlosigkeit und Spekulationen

Neben die Ratlosigkeit, warum Elon Musk die Klimaschädlichkeit der Bitcoins erst jetzt bewusst zu werden scheint, reihen sich Spekulationen, welche finanziellen Interessen Musk mit diesem Schritt gehabt haben könnte. Andere wiederum verweisen darauf, dass bereits heute schon auch viel Erneuerbare Energie für das Schürfen verwendet werde – und dass dieser Anteil kontinuierlich steige.

Saifedean Ammous, ein Wirtschaftswissenschaftler, der ein Standardwerk über Bitcoins geschrieben hat, nannte Elon Musk in seinem Antworttweet einen "Heuchler". Er solle erst mal seine Raketen- und Batterie-Produktion auf nachhaltigere Energie umstellen. "Die Welt braucht eine starke Währung weitaus mehr als es Deine Raketen und staatlich geförderten elektrischen Autos braucht", so Ammous.