Das Ende einer Therapie kann traurig machen. Es können Sorgen und Ängste aufkommen. Auch beim Abschied nehmen uns Therapeuten an die Hand und feiern mit uns den Erfolg – der ein Ende auch ist.

Die Beziehung zu einer Therapeutin ist eine besondere. Denn im besten Fall kommt sie zu einem Ende. Als Katharina wusste, dass ihre Psychotherapie bald vorbei seien wird, hat sie das mitgenommen. "Erst war ich überrascht, dann verzweifelt, weil ich dachte, ich kenne es gefühlt gar nicht mehr ohne", erzählt sie.

"Ich glaube, die zentralste Angst ist, dass man das alleine nicht schafft."
Aysan Amir, Psychotherapeutin, über die Sorgen von Patienten am Ende einer Therapie

Regelmäßig mit ihrer Therapeutin zu sprechen, war für sie eine Routine. Katharina war insgesamt elf Jahre in Therapie. Wie überfordernd die Veränderung nach einer langen Zeit der gemeinsamen Arbeit sein kann, weiß auch Psychotherapeutin Aysan Amir. Deswegen spricht sie darüber schon früh mit ihren Patient*innen, bevor die letzte Stunde ansteht. Üben, Abschied zu nehmen und mit den Emotionen umzugehen, die damit einhergehen, ist Teil der Therapie, sagt sie.

Therapieende: Zwischen Traurigkeit und Mut

Das Ende kam für Katharina auch nicht direkt. Es hat damit angefangen, die Abstände zwischen den Stunden zu verlängern. Das war eine Art Testphase, später auch alleine klarzukommen. Zum Loslassen gehörte für sie auch, dass sich ihre Rituale im Rahmen einer Sitzung verändern.

Die letzte Stunde war für sie deshalb eine besondere. "Ich hab immer vorher am selben Ort eine Zigarette geraucht, bin dann denselben Weg gegangen. Das war komisch, das letzte Mal zu klingeln, hochzugehen und da zu sitzen. Und dann macht man die Tür zu und denkt – krass, ich sehe die nie wieder", erinnert sich Katharina. Sie bringt ihrer Therapeutin Blumen mit und schreibt ihr eine Karte.

"Brauche ich eigentlich jemand Neues? Oder kann ich es auch mal ohne versuchen?"
Katharina, hatte erst den Impuls, nach dem Ende ihrer Therapie eine neue anzufangen

Für Katharina war das ein emotionaler Moment. Auch für Aysan Amir ist die letzte Stunde ein besonderer Moment. Denn neben der Traurigkeit über den Abschied und der Sorge vor dem, was kommt, geht es auch darum, stolz zu sein auf das, was man geschafft hat. "Wir feiern sozusagen den Abschluss der Therapie und die Diagnosen, die am Anfang vergeben worden sind, nehmen wir dann auch wieder weg", sagt sie.

Katharina hat auch festgestellt: Veränderungen fallen ihr schwer. Aber sie schafft das. Sie bekommt das auch ohne regelmäßige Sitzungen hin.

Du darfst dir immer Hilfe holen

Wichtig ist: Auch nach dem Ende einer Therapie sind wir nicht alleine. Wenn wir beobachten, dass wir Hilfe brauchen, gibt es Mittel und Wege, die auch zu bekommen. Mehr dazu hier.

Shownotes
Abschied nehmen
Was das Ende einer Therapie mit uns macht
vom 17. Juli 2026
Moderator: 
Nik Potthoff
Autorin: 
Mona Belinskiy, Deutschlandfunk Nova