Ein neuer Speicheltest soll dabei helfen, Endometriose schneller zu erkennen. Ärztinnen sind jedoch skeptisch, ob der Test zur besseren Versorgung von Betroffenen beitragen kann.

Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen. In Deutschland sind 2 bis 15 Prozent der Frauen zwischen Pubertät und Wechseljahren betroffen. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Bei der Erkrankung bilden sich Gebärmutterzellen außerhalb der Gebärmutter, manchmal auch in der Gebärmuttermuskulatur. Frauen haben dadurch oft extreme Schmerzen während der Periode. Jetzt verspricht ein Test die Revolution: Der sogenannte "Endotest" untersucht den Speichel. Er wurde unter anderem von einem Privatlabor in Gießen mitentwickelt. Damit soll die Diagnose schneller klappen.

Unspezifische Symptome, späte Diagnose

Endometriose wird oft erst sehr spät erkannt und damit auch behandelt. Die Symptome wie Übelkeit oder Unterleibsschmerzen sind eher unspezifisch. Deshalb leiden Betroffene oft über Jahre, bevor eine Diagnose gestellt wird. Außerdem sind einige Untersuchungsmethoden mit operativen Eingriffen verbunden, eine Bauchspiegelung zum Beispiel.

Der neue Test ist hingegen ist nicht invasiv und geht schnell. Es braucht nur den Speichel der Person und etwas Zeit – nach Herstellerangabe zwischen 14 und 25 Tagen.

Mikro-RNA gibt Hinweis auf Erkrankung

Hinweise auf eine Endometriose soll dann Mikro-RNA im Speichel liefern. Das ist sehr kleine RNA innerhalb einer Zelle. Der RNA-Strang ist bei Mikro-RNA kürzer als bei mRNA. Die Mikro-RNA kann allerdings an die mRNA andocken. Das hat dann zur Folge, dass diese mRNA nicht mehr richtig funktioniert. Dadurch werden dann auch die Proteine nicht mehr hergestellt, die in der mRNA kodiert sind.

"Der Test findet dann im Speichel spezifische Mikro-RNAs, die auf Endometriose schließen lassen."
Przemek Zuk, Deutschlandfunk Nova

Mikro-RNA kann Hinweise auf bestimmte Krankheiten geben – allerdings gibt es in der Forschung auch noch viele offene Fragen. "Man weiß aber, dass Mikro-RNAs bei einer Reihe grundlegender biologischer Prozesse beteiligt sind, wie Entwicklung oder Zelldifferenzierung.

Neuere Daten weisen laut Max-Planck-Institut auch darauf hin, dass die Mikro-RNAs bei Krankheiten wie Krebs eine Rolle spielen", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Przemek Zuk, "und anscheinend gibt es eben auch bei der Endometriose bestimmte Mikro-RNAs, die im Körper von Betroffenen zu finden sind".

Studienlage noch schwach

Nach einer klinischen Studie ist dieser Speicheltest nun zugelassen. Der Hersteller spricht von "einer der größten Studien, die je auf diesem Gebiet durchgeführt wurde“. Es wurden allerdings nur 200 Personen untersucht.

Sylvia Mechsner, Leiterin des Endometriosezentrums der Charité findet diese Studie nicht ausreichend. Sie sagt: "Es ist eine Studie mit 200 Frauen, die symptomatisch waren. Das heißt, die waren rein von ihrer Klinik her auch suspekt für Endometriose. Da kann ich Ihnen sagen, wenn ich hier eine vernünftige Anamnese und Ultraschall mache, dann liege ich auch so ähnlich mit meiner Erfolgsrate."

Kosten: 800 Euro, Kassen zahlen nicht

Der Vorteil des neuen Endometriose-Tests ist, dass er einfach in der Durchführung ist. Ein Nachteil ist jedoch, dass dieser Test noch relativ teuer ist: Er kostet rund 800 Euro, die die Kassen nicht übernehmen.

Fazit unseres Reporters: "Der Endotest mag vielversprechend sein, und die Mikro-RNA Forschung hat wohl ein großes viel Zukunftspotential. Aber aktuell gibt es noch Einschränkungen. Am besten sollte man mit einem Facharzt besprechen, was zu tun ist bei Verdacht auf Endometriose, und ob so ein Test sinnvoll ist", sagt Przemek. Der Test ist jedenfalls kein Ersatz für die bisherigen Diagnose-Verfahren, könnte aber zu einer Ergänzung werden.

"Ein positiver Test alleine würde auch nicht reichen, sondern es geht ja auch um die Beschwerden, die die Betroffene hat."
Sylvia Mechsner, Endometriose-Spezialistin an der Berliner Charité

Die Endometriose-Spezialistin Sylvia Mechsner von der Charité sieht außerdem noch ein weiteres Problem: Wenn eine Frau positiv auf die Unterleibskrankheit getestet wurde, dann stellt sich als nächstes die Frage, wie sie behandelt werden kann. Auch hier gebe es immer noch große Versorgungslücken. "Und es wäre viel sinnvoller, Geld in eine adäquate Bezahlung derer zu investieren, die sich dann auch kümmern. Und die dann mit der Patientin einen vernünftigen Ultraschall machen, weil man da wirklich nochmal nachgucken muss, sowieso, unabhängig von einem positiven Test", sagt sie.

Außerdem müsse noch in weiteren Studien untersucht werden, wie der Test bei Patientinnen mit anderen Beschwerden oder unerfülltem Kinderwunsch funktioniert.

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartner:  Przemyslaw Zuk, Deutschlandfunk Nova