Der russische Angriffskrieg und die steigende Inflation treiben die Energiekosten in die Höhe. Das wird sich langfristig auch auf unsere Nebenkosten bei der Miete auswirken.

Laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist die Europäische Union bereit für ein Ölembargo gegen Russland. Deutschland könne so eine Maßnahme tragen, aber längst nicht alle EU-Staaten sind dafür. Noch wird verhandelt.

Wir werden uns laut Robert Habeck dauerhaft auf höhere Energiepreise einstellen müssen. Viele versuchen zu sparen, weil die Inflation Lebensmittel stark verteuert hat, erklärt Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven. Zum Beispiel mit dem Rad statt mit dem Auto fahren, oder maximal 100 Stundenkilometer auf der Autobahn fahren, Heizung herunterdrehen und dicken Pulli anziehen, Geräte richtig ausschalten und nicht im Stand-by-Modus belassen.

Dauerhaft höhere Energiepreise in Zukunft

Trotz der Sparmaßnahmen werden die Nebenkosten für unsere Wohnung steigen, die nicht in der Miete enthalten ist, erklärt Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven. Die Rechnung bekommen wir aber erst zum Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahre, und dann ist wahrscheinlich eine Nachzahlung fällig.

"Grundsätzlich ist die Höhe der Heiz- und Stromkosten etwas ganz individuelles. Manche sind zum Beispiel viel zu Hause, weil sie im Homeoffice sind. Dann verbraucht man natürlich mehr. Wenn man allein wohnt, ist der Verbrauch geringer", erklärt Nicolas Lieven.

"Man muss beachten: Je größer eine Wohnung ist und desto mehr Menschen zusammenwohnen, desto höher sind die Nebenkosten. Man sagt, dass es im Schnitt wahrscheinlich um die tausend Euro teurer werden könnte für das Vorjahr."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Beispielrechnung für einen 1-Personen-Haushalt auf 50 Quadratmetern Fläche:

  • 200 Euro mehr für Strom
  • bis 400 Euro mehr für Heizung und warmes Wasser

Altbauwohnung: Hohe Nachzahlungen sind möglich

Da sich Kosten für Gas und Öl teilweise verdoppelt hätten, könnten Nachzahlungen hoch ausfallen. Es komme aber auch darauf an wie groß eine Wohnung sei und wie viele Menschen darin zusammenwohnen. Je größer sie ist und je mehr Menschen darin wohnen, desto höher seien die Mehrkosten. Das könnten bis zu 1000 Euro im Jahr werden, meint Nicolas Lieven. Bei manchen könnte die Nachzahlung sogar noch höher ausfallen wie zum Beispiel für diejenigen, die in einer sehr großen Altbauwohnung wohnen.

Würden Vermieter jetzt schon höhere Nebenkostenabschläge veranschlagen, müssten Mieter*innen das aber nicht akzeptieren. "Zwischendrin die Vorauszahlung erhöhen, das geht nicht – es sei denn, du stimmst zu", sagt Nicolas Lieven.

Vermieter*innen können höhere Abschläge erst nach dem Ende des Abrechnungszeitraums verlangen. Also zu Beginn eines neuen Jahres. "Es muss dann aber begründet werden, warum die Abschläge steigen", sagt der Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven.

Vorauszahlungen in Mietverträgen gelten

Außerdem erklärt er, dass die Nebenkosten noch nicht zwingend steigen müssten, weil Vermieter*innen häufig langfristige Versorgungsverträge abschließen, sodass sie von den steigenden Energiekosten noch nicht unmittelbar betroffen seien. Mieterinnen und Mieter müssten sich letztlich auch auf Kosten verlassen können.

"Es wäre ja völliger Quatsch, wenn jeden Monat eine andere Vorauszahlung gelten würde", sagt Nicolas Lieven. Jetzt schon mal monatlich Geld zur Seite zu legen, sei auf jeden Fall ratsam.

Nebenkosten vs. Stromkosten

Dass Neben- und Stromkosten etwas Verschiedenes sind, erwähnt Nicolas Lieven noch einmal ausdrücklich, da das immer wieder vergessen werde. Nebenkosten werden von den Vermietenden erhoben. Dagegen werden Stromkosten üblicherweise direkt mit dem Versorger abgerechnet. Beim Strom müssten wir auf jeden Fall nachzahlen. Wer dafür kein Geld hat, sollte seinen Stromversorger benachrichtigen. Denn schlimmstenfalls könntet ihr abgeklemmt werden

"Auch wenn es vielleicht nur um 100 Euro Nachzahlung geht – der Versorger klemmt euch im schlimmsten Fall den Strom ab."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Aufgrund der aktuellen Situation fordert der Deutsche Mieterbund nun ein Kündigungsmoratorium. So was gab es schon mal 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie – damals konnten viele aufgrund der Verordnungen ihren Job nicht ausüben. "Man hatte damals zwei Jahre Zeit, um Kosten nachzuzahlen. Die Frist endet genau jetzt. Etwas ähnliches wäre auch für die aktuelle Situation denkbar. Allerdings handelt es sich bei so einer Lösung immer nur um eine Aufschub."

Der Wirtschaftsjournalist gibt zu bedenken: "Man muss dazu immer sagen, dass man es wirklich nur aufschiebt. Leute, die wenig Geld haben, müssen es irgendwann nachzahlen. Wir sprechen jetzt auch nicht von einer Pandemie, die irgendwann vorbei ist. Die Energiekosten werden erst mal weiter steigen."

Und weiter: "Wir wissen gar nicht, wann das endet. Es muss ein Einvernehmen geben mit den Vermieter*innen. Ich habe da ganz große Zweifel, dass es das geben wird. Sie müssten in Vorleistung gehen. Das können nur ganz große Konzerne. Es gibt ja auch Vermieter, die von der Miete leben. Ich glaube nicht, dass man da auf einen grünen Zweig kommt."

  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist