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Ein zehn Prozent höherer Strombedarf in Deutschland bis 2030? Analystin Claudia Kemfert rechnet mit 30 Prozent Mehrbedarf. Der Ökostromanteil lasse sich problemlos hochfahren - nur fehle bislang der politische Wille.

Das Wirtschaftsministerium rechnet mit einem rund zehn Prozent höheren Stromverbrauch bis 2030.

Das Ministerium arbeite aber seit Jahren mit falschen Werten, sagt Analystin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie sagt: "Man hat mit veralteten Zahlen agiert."

"Wir weisen seit über fünf Jahren darauf hin, dass das Bundeswirtschaftsministerium hier mit viel zu niedrigen Zahlen rechnet."
Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin

Die nun vorgenommene Anpassung reiche bei weitem nicht aus, beschreibt Claudia Kemfert die Zahlenlage. Angesichts des Ausbaus der Elektromobilität, des verstärkten Einsatzes von Wärmepumpen zum Heizen von Häusern und der projektierten industriellen Wasserstofferzeugung, rechnet sie bis 2030 sogar mit einem um 30 Prozent höheren Strombedarf in Deutschland.

"Da muss man einerseits den Strombedarf anpassen, aber auch die Ausbauziele der erneuerbaren Energien erhöhen."
Claudia Kemfert, DIW Berlin

75 Prozent davon seien ohne weiteres durch Ökostrom zu decken, sagt Claudia Kemfert. Dazu müssten schlicht Marktbarrieren zurückgeschraubt werden. Sie nennt beispielsweise Abstandsregeln bei der Windenergie und Hemmnisse für den Ausbau der Solarenergie.

Ohne Wille keine Energiewende

Für sie ist klar, dass bislang der politische Wille für einen konsequenten Ausbau des Ökostromanteils fehlt. Die Bundesregierung hätte sogar eher dagegen gearbeitet. Schon mit einer konsequenten Erneuerung von existierenden Windanlagen sei ein Großteil der Aufgabe zu schaffen.

"Da hat die Politik absichtlich Hemmnisse eingebaut, die man alle wieder zurücknehmen muss, damit dieser Ausbauturbo endlich startet."
Claudia Kemfert, DIW Berlin