Pflegekräfte in Krankenhäusern sollen nach den Vorschlägen des Bundesgesundheitsministers entlastet werden. Wie kommen diese Vorschläge in der Praxis an? Kritik kommt von der Krankenpflegerin Nina Böhmer.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat einen Entwurf zum Krankenhauspflegeentlastungsgesetz vorgelegt, der im Pflege- und Gesundheitswesen langfristig Entlastung für die Pflegekräfte vorsieht. Im ZDF nennt er sein Vorhaben "die größte Krankenhausreform der letzten 20 Jahre."

Umsetzung der Reformen in die Praxis unklar

Der Entwurf sieht auch vor, dass jede vierte Behandlung ambulant statt stationär erfolgen soll. "Die Frage ist, ob man das Planen kann", gibt Nina Böhmer zu bedenken. Sie ist bei einer Zeitarbeitsfirma im Raum Berlin-Brandenburg als Krankenpflegerin angestellt und in vielen verschiedenen Krankenhäusern tätig. Gerade wenn Notfälle ins Krankenhaus kommen, können diese nicht abgelehnt werden, nur weil das Kontingent erreicht sei. Nina Böhmer kann sich jedenfalls nicht vorstellen, wie dieser Vorschlag in der Praxis umgesetzt werden kann.

"Es kommen ja auch Notfälle ins Krankenhaus. Da können wir nicht einfach sagen: Den Patienten behandeln wir jetzt ambulant."
Nina Böhmer, Krankenpflegerin

Selbst wenn der Vorschlag funktionieren würde, gebe es immer noch sehr viele Patienten, die stationär versorgt oder eben intensiv betreut werden müssten, erklärt Nina Böhmer. Für sie als Pflegekraft sei es auch eine gute Abwechslung, nicht nur Intensivpatienten zu betreuen, weil das sehr anstrengend sei. "Wir freuen uns auch über Patienten, die noch selbstständig unterwegs sind".

Wegfall der Nachtdienste

Durch die Pläne des Bundesgesundheitsministers könnte auch Nachtdienste wegfallen, die unter den Krankenpflegekräften beliebt seien und "die noch mal zusätzliches Geld bringen."

"Einige Ideen sehen auf dem Papier ganz gut aus."
Nina Böhmer, Krankenpflegerin

Teilweise findet Nina Böhmer die Vorschläge in dem Gesetzentwurf von Karl Lauterbach gut, aber für sie stelle sich die Frage, wie diese sich umsetzen lassen. Grundsätzlich wünscht sich die Krankenpflegerin eine Reform, die schneller greift.

Frustrierte Krankpfleger*innen wünschen schnelle Reformen

Sie beobachtet unter ihren Kolleg*innen, dass diese zunehmend frustriert seien "und diesen schönen Beruf verlassen". Deswegen brauche es Reformen, die sofort etwas bewirken "und nicht etwas, das wahrscheinlich erst in zwei bis fünf Jahren passiert." Denn das, was der Bundesgesundheitsminister vorschlage, würde erst in ein paar Jahre Wirkung zeigen.

Dieser Frust zeige sich auch darin, dass sie den Worten eines Bundesgesundheitsministers erst Glauben schenken würde, wenn sich wirklich etwas verändert hätte.

"Wir wurden so oft enttäuscht in den letzten Jahren, dass man den Worten einfach nicht glaubt, sondern erst etwas glaubt, wenn wirklich etwas passiert ist."
Nina Böhmer, Krankenpflegerin

Um Pflegekräfte in ihrem Job zu halten, sei zum Beispiel eine bessere Bezahlung eine Maßnahme, die schnell umgesetzt werden könnte.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Nina Böhmer, Krankenpflegerin