Jeden Tag treffen wir etliche Entscheidung. Für unseren Kopf ist das ein Kraftaufwand, der uns entscheidungsmüde machen kann. Um wieder klar zu denken, helfen mehr Pausen und weniger Entscheidungen.

Mit jeder Entscheidung, die wir fällen, mit jedem Abwägen von Pro und Contra, verbraucht unser Gehirn Energie. Je komplexer die Entscheidung ist, desto mehr Energie ist dafür nötig. Im Laufe eines Tages kann uns das müde machen – entscheidungsmüde. Die Psychologie spricht hier von einer Decision Fatigue.

Ist das Gehirn müde, wählen wir eher die sichere Variante. Das haben vergangene Studien mit Richterinnen und auch Ärzten gezeigt, schreiben Forschende von der University of Cambridge in der Einleitung ihrer neuen Studie zur Decision Fatigue.

Eine Untersuchung kommt sogar zum Schluss, dass die Häufigkeit von Pausen, die Richter während eines Tages machen, ihre Entscheidung hinsichtlich Haft- oder Bewährungsstrafen beeinflussen kann.

"Decision Fatigue beschreibt in der Psychologie die Annahme, dass wir im Laufe des Tages entscheidungsmüde werden."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Decision Fatigue wirkt sich auf die Person aus, die von der Entscheidung betroffen ist und auf die Person, die sie gefällt hat.

Dafür haben die Forschenden der Uni Cambridge die Entscheidungen von 30 Mitarbeitenden einer Bank beobachtet, die jeden Tag im Durchschnitt 46 Anträge vor sich liegen haben, in denen Kunden einen Zahlungsaufschub der zurückzahlenden Raten für ihren laufenden Kredit anfragen.

Es zeigte sich: Ab 11 Uhr haben die Bankangestellten so einen Antrag eher abgelehnt und sind den für die Bank scheinbar sicheren Weg gegangen. Nach ihrer Mittagspause hat die Zahl der Ablehnungen wieder abgenommen und stieg wieder kurz vor ihrem Feierabend um 17 Uhr an. Diesen Effekt haben die Forschenden mehr bei den jüngeren Mitarbeitenden beobachtet als bei Angestellten mit mehr Erfahrung.

Mehr Pausen = weniger Verlust für die Bank

Die Forschenden sehen zwischen der Zahl der Ablehnungen und der Decision Fatigue einen deutlichen Zusammenhang. Zumal sie andere Faktoren, die die steigenden Ablehnungen erklären könnten, ausschließen konnten.

Für die Bank stellen sich die Ablehnungen der Anträge allerdings als Nachteil raus, so die Studienautoren. Nur 39 Prozent der Kunden, deren Aufschub nicht genehmigt wurde, haben ihren Kredit zurückgezahlt. Haben die Bankangestellten den Aufschub jedoch gewährt, wurde der Kredit von 53 Prozent der Kundinnen getilgt. Durch die Ablehnungen habe die Bank einen Verlust von 450.000 Euro im Monat gemacht.

Sie empfehlen daher: Die Banken sollten ihre Angestellten entweder grundsätzlich vor weniger Entscheidungen am Tag stellen, mehr regelmäßige Pause einführen oder sie dazu anhalten, eine Entscheidung auf einen anderen Tag zu verschieben, sollten sie müde sein.