Tom Kraftwerk ist Student im 13. Semester. Er hat das Buch geschrieben: "Warten auf Foucault - Anleitung zum Nicht-Studieren".

Max alias Tom Kraftwerk hat es auch in diesem Semester wieder geschafft, sich keine Seminare vor zehn Uhr zu legen und sich den Mittwoch freizuhalten. Die meiste Zeit des Semesters ist Tom ein entspannter Student. Aber natürlich kommt auch ein Langzeitstudent nicht um Prüfungen oder Referate herum, also Zeiten, in denen er mal richtig was für die Uni tun muss. Wenn seine Eltern ihn fragen, wann er endlich fertig sein wird, antwortet er: "Sobald wie möglich."

"Man sollte als Student immer einen Tag in der Woche frei haben."

Manchmal – gerade jetzt zu Semesterbeginn - hört er in der Bahn, wie sich Erstsemester unterhalten und so Dinge sagen wie: 'Och die Regelstudienzeit ist ja locker zu schaffen, vielleicht schaffe ich es auch den Bachelor in fünf, statt in sechs Semestern zu machen.' Und das sei auch etwas, was immer wieder mitbekommt, wenn er Schüler oder Studenten berät: Dass es nur darum geht, so schnell wie möglich durch die Uni zu kommen, dabei möglichst viel Zeit im Ausland verbracht und möglichst viele Praktika nebenher gemacht zu haben. Dass aber wenig Wert auf wirkliche Bildung gelegt werde. 

"Wenn man sich da ein bisschen rausnimmt und sagt, ich muss hier jetzt auch nicht überqualifiziert rausgehen, dann kann man das Studentenleben auch ganz gut genießen."

Einer seiner Freunde hat zum Beispiel Informatik studiert – in der Regelstudienzeit den Bachelor und den Master abgeschlossen. Dann hat er angefangen, zu arbeiten und jetzt, nach einigen Jahren im Beruf, ist ihm klar geworden, dass es überhaupt nicht der Weg ist, den er sich eigentlich gewünscht hätte. Inzwischen hat der Freund gekündigt und sein erstes eigenes Festival veranstaltet.

Tom glaubt, dass viele Studenten so ein vorgeschriebenes Programm abarbeiten und gar nicht merken, dass es dabei eigentlich um sie und ihre ganz persönlichen Interessen gehen sollte.

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Und wer soll das finanzieren?

Natürlich stellt sich beim Studium auch die Frage: Ja und wer finanziert dann Deine 13 Semester? Denn die Eltern sind irgendwann nicht mehr unterhaltspflichtig, Kindergeld gibt es nur bis zum 25. Lebensjahr und das BAfög wird auch nur für die Regelstudienzeit gezahlt. Aber Tom findet, dass es ganz gut funktionieren kann, wenn man nebenher jobbt und vor allem dann, wenn man einen Job hat, der vielleicht den eigenen Interessen entspricht und wo es auch Aufstiegschancen gibt.

"Ich weiß, dass ich genug dafür getan habe, in einem Job zu landen, der meinen Interessen entspricht und der mir Spaß macht."

Bevor Tom Kraftwerk sein Buch geschrieben hat, hat er zum Beispiel als selbstständiger Weinberater gearbeitet. Er hatte ursprünglich mal angefangen zu kellnern, ist über diesen Weg zum Weinkenner geworden und hat zuletzt dann Seminare und Weinverkostungen angeboten.

Wenn er demnächst fertig ist, will der Langzeitstudent nicht unbedingt in der Selbstständigkeit bleiben. Er ist fest davon überzeugt, dass er dann eine Festanstellung findet, in der er sein Informatikwissen, seine Kreativität, die Erfahrungen aus seinem Buchprojekt und seine Twitter-Tätigkeiten vereinen kann.