Ob im Wald, im Park oder auf dem Balkon: "Augen auf, hinhören und dann ein bisschen weiter gucken", sagt Biologin Inga Olfen. Tierspuren in der Natur sind es, die sie besonders interessieren – auch die vom Wolf.
Raus und alle Sinne einschalten: Denn eigentlich ist überall Natur, findet Inga Olfen. Die Biologin arbeitet für die Deutsche Wildtier Stiftung. Es fängt damit an, die Natur wahrzunehmen. Im nächsten Schritt empfiehlt sie das Erkennen von Geräuschen, von bestimmten Spuren und Tieren. Auch wenn es nur die Ameisen in den Pflasterfugen oder die Wildbienenbehausungen am Boden sind.
"Man kann wirklich auf kleinstem Raum etwas finden, selbst eine Brache oder ein kleiner Park, auch an einer vierspurigen Straße."
Wer sich besonders für Tiere interessiert, sollte sich allerdings an deren Zeiten halten: der frühe Morgen und die Dämmerung. "Generell sind die meisten Tiere wirklich eher dämmerungs- und nachtaktiv", berichtet Inga Olfen.
Gucken, Fragen, Erkennen
Ihre Spuren gibt es aber auch dann zu sehen, wenn die Tiere gerade nicht unterwegs sind. Und Spuren interessieren Inga Olfen besonders. Sie beschreibt den Weg zum Erkennen einer Spur anhand einzelner Frage- und Antwortschritte:
Wahrscheinlich ein Hund? Keine Menschenspuren daneben!
Ein Hund ohne Leine? Wolfslosung, also Wolfskot, gefunden, also eine Wolfsspur!
"In Brandenburg haben wir sogar am Ende Wolfsspuren gesehen."
Ein zweites Beispiel fürs Spurenlesen: Auf einer Baumschonung hat Inga Olfen Federn gefunden. Neben den Federn lagen dort auch Daunen, und das bedeutet, dass hier ein Vogel gefressen worden ist.
Verräterische Rupfweise
Sie erklärt, dass sich die Rupftechniken von Raubvögeln und Raubtieren am Boden unterscheiden: Ist der Federkiel abgebissen, war es ein Vierbeiner. Größere Raubvögel reißen die Federn hingegen ganz aus, mit Kiel. Im Ergebnis wusste Inga Olfen dann, was auf der Schonung passiert war: "Da war ein Fuchs oder ein Marder oder was auch immer. Der hat sich am Ententeich die Ente geschnappt, hier reingeschleppt und hier verspeist."
Apps können dabei helfen, die Natur ein wenig genauer zu begreifen. Für die Vogelbestimmung kennt Inga Olfen die App Merlin Bird ID. Zur Insektenbestimmung hat sie Gutes von Obsidentify gehört. Ihre Stiftung stellt aber auch kleine gedruckte Heftchen bereit, die in die Hosentasche passen. Auf der Homepage ihrer Stiftung sind viele heimische Wildtiere in Steckbriefen erfasst.
Unser Bild zeigte eine Wildbiene beim Anflug auf ihre Unterkunft. Ein weiteres Tier krabbelt dort bereits herum.
