Mit der Einführung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) 1964 meldeten sich 300.000 Freiwillige. Überwiegend waren es junge Frauen. Unter den Männern waren vor allem Kriegsdienstverweigerer.

Zu einer der ersten FSJlerinnen gehört Ulrike Wegner. Sie war damals in ihrer Vorbereitungsgruppe auf das FSJ auch eine der jüngsten. Sie entschloss sich 1964 direkt nach ihrer Mittleren Reife zum FSJ. Sie wollte die Wartezeit auf ihr Musikstudium überbrücken und die Zeit mit einer sinnvollen Tätigkeit ausfüllen.

"In der Schule lernt man für die Schule, den Lehrer oder für die Eltern - ich sehe das jedenfalls so, und heute ist es noch schlimmer. Wenn man ein soziales Jahr macht, da kriegt man endlich mal was zurück: Anerkennung, man lernt wirklich was fürs Leben! Man hat Kontakt mit Menschen, mit der Natur, je nach dem was man macht, und das befriedigt einen. Die Schule frustriert einen ja oft."
Ulrike Wegner, eine der ersten FSJlerinnen

50 Jahre nach ihrem sozialen Jahr würde Ulrike Wegner heute jedem Schulabgänger dazu raten, ein FSJ zu absolvieren: "Man wird selbständiger, man lernt neue Leute kennen, man weiß vielleicht nachher auch, in welche Richtung man studieren will", berichtet Ulrike Wegner aus ihren Erfahrungen.

Die hohe Zahl an Freiwilligen im Jahr 1964 wird heute zwar nicht erreicht, dennoch absolvieren immer noch viele Menschen im Alter von 16 bis 27 Jahren ein soziales Jahr. Von 2001 bis 2009 verdoppelte sich die Zahl auf 25.600, 2011 waren es fast 45.000 FSJler.

"Es ist auf jeden Fall eine Orientierung und eine totale Bereicherung!"
Ulrike Wegner, eine der ersten FSJlerinnen

Vor 50 Jahren verankerte der Bundestag per Gesetz das Freiwillige Soziale Jahr. Mit der klaren gesetzlichen Regelung versuchte der Gesetzgeber den Missbrauch der FSJler als billige Arbeitskräfte zu unterbinden. Gleichzeitig sind die Freiwilligen für die Zeit ihres Freiwilligendienstes sozialversichert. Die Einsatzfelder sind in den vergangenen Jahren immer stärker erweitert worden, so gibt es neben klassischen sozialen Diensten in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Einrichtungen für behinderte Menschen, Alten- und Pflegeheimen auch kulturelle und ökologische Belange, für die sich Freiwillige bewerben können. Seit 1993 sind auch Auslandseinsätze möglich.