Ein kleiner Stich, der eine Bandbreite an Emotionen hervorrufen kann: Manche freuen sich sehr über die erste Corona-Impfung, andere sind aufgeregt oder haben Sorgen vor Nebenwirkungen. Aber wie gut und ab wann schützt sie uns?

"Die erste Dosis ist ja der erste Kontakt des Immunsystems mit diesem Erreger", sagt die Virologin Sandra Ciesek, im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Erst durch diesen Piks und dem verabreichten Impfstoff werden Antikörper gebildet. Die sind aber anfangs nicht ganz perfekt und reifen mit der Zeit, sagt die Virologin außerdem. Das kann ein paar Wochen dauern.

Das bedeutet für uns: Wer direkt von der Impfung kommt, ist nicht sofort geschützt vor einer schweren Corona-Erkrankung. Dafür braucht der Körper Zeit, um einen Impfschutz aufzubauen – und einige Wochen später bei Biontech, Moderna und Astrazeneca noch eine zweite Dosis, für den vollständigen Impfschutz. Erst 14 Tage nach der letzten Impfdosis gilt der Impfschutz als vollständig hergestellt.

"Ja, so ein bisschen emotional ist es schon, wenn man da so rausläuft und denkt: 'Boah, jetzt geht‘s einen Schritt voran - irgendwann ist dann die Normalität wieder da.'"
Dunja hat ihre erste Impfdosis erhalten

Sich und andere weiterhin schützen

Da der Impfschutz nicht sofort mit der ersten Impfdosis einsetzt, ist es wichtig, dass wir nicht unvorsichtig werden. Wir können uns zwar mit anderen treffen, aber sollten uns weiter an die Regeln zur Eindämmung der Pandemie halten. Das heißt, Abstand halten, regelmäßig Händewaschen, Maske tragen, immer wieder mal Lüften, wenn wir mit anderen in einem Raum sind und die Corona-Warn-App nutzen.

Andere nicht infizieren

Das sollten wir natürlich überall dort tun, wo es Pflicht ist, aber eigenverantwortlich auch dort, wo wir es als sinnvoll erachten. Und das gilt auch, wenn wir vollständig geimpft sind. Denn auch dann gibt es noch das Risiko, dass wir uns mit dem Virus anstecken, auch wenn wenn es unwahrscheinlicher wird, dass wir mit einer Covid-19-Erkrankung dann ins Krankenhaus müssen.

Ein wichtiger Grund für die Hygiene- und Abstandsregeln ist grundsätzlich, dass wir vermeiden sollten, andere zu infizieren, die womöglich einen geringeren oder gar keinen Schutz und möglicherweise ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf haben.

Impfreaktionen sehr individuell

Wie wir auf die erste Impfung reagieren, ist individuell sehr unterschiedlich. Ein bisschen hängt das wohl auch davon ab, welchen Impfstoff wir gespritzt bekommen. Direkt nach der Spritze können Impfreaktionen auftreten, also Zeichen dafür, dass die Immunabwehr des Körpers reagiert: Am häufigsten sind Schmerzen am geimpften Arm, außerdem Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und eventuell erhöhte Temperatur.

"Ich habe Moderna bekommen. An der Einstichstelle war das wie ein richtig krasser, blauer Fleck. Am gleichen Tag wurde ich noch müde, und am nächsten Tag hatte ich Kopfschmerzen.“
Dunja hat leichte Impfreaktionen, die nach zwei Tagen völlig abklingen

Schmerzmittel und Alkohol können Impfreaktion beeinflussen

Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können genommen werden, aber auf jeden Fall nicht direkt vor der Impfung und besser auch nicht direkt danach. Bisher kann dazu noch nichts Allgemeingültiges gesagt werden, weil die Datenlage bisher noch nicht klar ist, sagt die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff.

Bisher lautet die Empfehlung, Schmerzmittel nur in einem Zeitabstand von sechs bis acht Stunden zur Corona-Impfung zu nehmen. Ansonsten könnte möglicherweise die Immunabwehr beeinflusst werden. Ähnliches gilt auch, wenn wir viel Alkohol trinken.

"Besonders starker Alkoholkonsum kann die Immunantwort bei Infektionen einschränken und bei Impfungen möglicherweise auch die Verträglichkeit und Wirksamkeit der Impfung beeinflussen.“

Auch körperliche Anstrengung, wie zum Beispiel Ausdauersport, sollten wir kurz nach der Impfung lieber vermeiden, um unserem Immunsystem die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Impfstoff und den darin enthaltenen Anteilen des Erregers zu befassen.