Anfang März 2017 ging Snap Inc., die Firma hinter Snapchat, an die Börse. Die Anleger haben sich um die Aktie gerissen und der Laden war mit einem Schlag 28 Milliarden Dollar wert. Jetzt hat Snap zum ersten Mal die Quartalszahlen präsentiert – und die Aktie ist direkt mal die Kellertreppe runtergefallen.

Die Dramaturgie bei Snap fing vielversprechend an. Und jetzt das: "Snap wird völlig zerschmettert" textet Techcrunch, der Kurs schmiert um 20 Prozent ab, ein Fünftel Wertverlust auf einen Schlag, die "Luft ist raus aus der Blase".

Warum?

Es gibt immer diese berühmten Erwartungen der Börse bzw. der Aktienanalysten, wie sich bestimmte Parameter nun entwickeln müssten, damit der und der Kurs gerechtfertigt ist. Da ist etwas Spekulation dabei, teilweise signalisieren die Unternehmen ja auch zwischendurch "so ungefähr wird’s laufen".

"Auf jeden Fall hat Snap die Erwartungen untertroffen. Die Analysten und Anleger sind also enttäuscht – und dann schmiert der Kurs natürlich ab."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Dass sich alles innerhalb von acht Wochen von super zu katastrophal verändert hat, ist unwahrscheinlich, sagt unser Netzreporter Michael Gessat. Snap-Gründer und Chef Evan Spiegel habe bei der Präsentation der Zahlen auch beste Laune demonstriert. Obwohl – oder vielleicht weil er einen Quartalsverlust von über 2 Milliarden Dollar bekanntgegeben hat:

Hinter dieser Summe steckt nämlich das Aktien-Belohnungspaket an ihn selbst – Wert: über 550 Millionen Dollar – und das Paket an die Snap-Mitarbeiter – Wert: über eine Milliarde Dollar. 

"Der eigentliche operative Verlust liegt wohl eher bei schlappen 188 Millionen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Trotzdem war das Belohnungspaket wohl keine Überraschung für die Analysten. Der wahre Grund für die Börsensorgen sind wohl eher die Zahlen zum Nutzerwachstum – und da hat Snap eben nicht so viele neue User dazugewinnen können wie erhofft.

Zu wenig neue User

Die Userzahlen sind die Währung in diesem Business, und da gibt es Mitbewerber am Markt mit ganz anderen Zahlen: Facebook zum Beispiel. Die kupfern ja inzwischen ganz unverhohlen das Snapchat-Modell ab. Evan Spiegel hat das bei der Präsentation der Zahlen noch nett weggelacht:

"Wenn man eine kreative Firma ist, dann muss man damit leben können oder es sogar genießen, wenn andere Unternehmen die eigenen großartigen Ideen kopieren."
Evan Spiegel, CEO Snap Inc.

Außerdem, so Spiegel, habe man noch ein paar weitere tolle Ideen in der Pipeline. Vorgestern hatte Snapchat ja schon eine Neuerung geliefert: Mit den "Limitless Snaps" verschwinden Bildchen jetzt nicht nach spätestens 10 Sekunden, sondern sie lassen sich endlos lang betrachten, bis man sie schließt.