Jemand kippt vor euren Augen um und bleibt am Boden liegen - Ohnmacht, Herzinfarkt oder gar Herzstillstand. Was ist zu tun? Sogenannte Ersthelfenden-Apps informieren Hilfe in der Nähe. Das kann Leben retten.

Im Notfall: Zuallererst die 112 anrufen

Rund 30 Notrufe gehen pro Tag bei der Berliner Feuerwehr ein, sagt Jan-Karl Stiepak, Oberarzt in der ärztlichen Leitung. Die Berliner Feuerwehr nutzt die Ersthelfenden-App "Katretter". Das heißt, sobald ein Rettungswagen losgeschickt wird, alarmiert diese App auch Registrierte per Smartphone, die sich in der Nähe eines Notfalls befinden.

Rund 45.000 Ersthelfende sind in Deutschland registriert. Zunächst sucht die App in einem Radius von 200 Metern, nach jemandem, der vor Ort helfen kann. Wenn niemand die Anfrage annimmt, vergrößert die App den Radius jeweils um 100 Meter.

Die App "Corhelper" versucht immer zwei Personen zum Ort des Notfalls zu lotsen. Eine Person kann dann Erste Hilfe leisten, während die andere den nächstgelegenen Defibrillator ausfindig macht und mitbringt.

"Also bei Notfällen, insbesondere sowas wie Herz-Kreislauf-Stillstand ist es besonders wichtig, dass ganz schnell Erste Hilfe Maßnahmen eingeleitet werden. Da sind die ersten 10 Minuten oft entscheidend."
Niklas Reinhardt, Sprecher der Ersthelfenden-App "Katretter"

Niklas Reinhardt arbeitet beim Fraunhofer-Institut und ist Sprecher der Ersthelfenden-App "Katretter". Jede Minute, die ohne Hilfsmaßnahmen verstreicht, verringert die Chance zu überleben um ein Prozent. Und bereits nach den ersten drei Minuten ohne Hilfe entstehen irreversible Schäden am Gehirn.

Voraussetzungen um Ersthelfender werden

Wer sich als Ersthelfende registrieren will, sollte über 18 Jahre alt sei und sich zutrauen, einen Menschen im Notfall wiederbeleben zu können.

Je nach Landkreis und Stadt können die Voraussetzungen, die ein Ersthelfender erfüllen muss, unterschiedlich aussehen. In manchen Regionen wird eine Ausbildung benötigt. Die App "Corhelper" bietet beispielsweise auch Kurse an, damit Registrierte ihr Erste-Hilfe-Wissen auffrischen oder erweitern können.

"Jeder kann helfen und helfen ist nicht irgendwas Exklusives."
Jan-Karl Stiepak

Übergreifende App geplant

Die Björn-Steiger-Stiftung entwickelt zurzeit ein übergreifendes System, das Ersthelfende deutschlandweit erreichen kann. Das könnte die Chance erhöhen, das im Falle einer Notsituation schneller jemand vor Ort ist, der der Betroffenen Person hilft.