Wir bringen unsere Seele in Gefahr, wenn wir aufhören, wie Kinder zu sein. Das ist eine starke Behauptung, die der New Yorker Literaturkritiker James Wood aufstellt. Er meint es ernst und will zugleich provozieren.

Jede Aufforderung, erwachsen zu werden, lässt sich instrumentalisieren, sagt James Wood. Das ist gefährlich. Sein Vortrag ist eine Gegenrede zum Vortrag der Philosophin Susan Neiman. Neiman argumentiert, dass es sich lohnt, erwachsen zu werden. James Wood sieht das ganz anders.

"Adults too often are boring, egotistical, narcissistic, intolerant, close-mindedly responsible. And grotesquely hypocritical."

Er will zeigen, wie wichtig es ist, Kind zu bleiben. James Wood schreibt für die Zeitschrift The New Yorker und ist ein erfolgreicher Schriftsteller. Sein Vortrag heißt "The Case Against Growing Up“. Er ist keine akademische Abhandlung, sondern ein kleines poetisches Wunderwerk.

"Let's rescue childhood: To fall asleep when you want to, to find homework pointless, to notice things properly, to look at them, to study them intently, to loose things the whole time, to ask: "Why do people suffer? I don't want you to die, I want you to live forever. In all this, surely the child is right, and we grow up or away from this child-like posture at peril to our souls."

In unserem zweiten Vortrag erzählt die Historikerin Diana Pinto, was es bedeutet, erwachsen zu werden, ohne eine Heimat zu haben. Ihr Vortrag heißt „Growing Up under Different Skies“. Pinto blickt darin auf ihre eigene Kindheit zurück und beschreibt, warum es für Migranten und Flüchtlinge so schwierig ist, erwachsen zu werden.

James Wood und Diana Pinto haben ihre Vorträge am 13. Juni 2015 im Einstein Forum in Potsdam gehalten, auf der Tagung "Why Grow Up?"