Wie wir unsere Kinder erziehen, wollte eine Erziehungswissenschaftlerin herausfinden - und hat die Erziehungs-Blogs von deutschen Eltern ausgewertet.

In Deutschland gibt es rund 2.400 Blogs, die sich mit Erziehungsfragen befassen. Die meisten von ihnen werden von Müttern geschrieben. Das heißt, die Studie setzt sich vor allem mit den den Erziehungsstilen von Frauen auseinander, die gebildet, digital-affin und zwischen 20 und 40 Jahren alt sind.

Helen Knauf, Professorin für Bildung und Sozialisation im Kindesalter an der Fachhochschule Bielefeld, hat diese Untersuchung im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt.

"Was ich beobachtet habe, war diese intensive Elternschaft. Das bedeutet, dass man die Bedürfnisse der Kinder extrem ernst nimmt und sehr genau darauf achtet."
Helen Knauf, Professorin für Bildung und Sozialisation im Kindesalter an der Fachhochschule Bielefeld

Helen Knauf hat bei ihrer Auswertung festgestellt, dass deutsche Eltern, die einen Blog über Erziehung betreiben, eine besonders intensive Elternschaft bevorzugen. Das bedeutet, dass sie genau die Bedürfnisse ihres Kindes achten und diese bei der Erziehung stark berücksichtigen.

Die intensive Elternschaft sei aber nicht mit dem Begriff der "Helikopter-Eltern" gleichzusetzen, sondern beschreibe eher, wie die Eltern ihrem Kind gegenüber eingestellt sind.

Intensive Elternschaft besonders in den ersten Lebensjahren wichtig

Die intensive Elternschaft hänge eng mit dem Begriff Attachment Parenting (bindungsorientierte oder bedürfnisorientierte Erziehung)
zusammen, einem Konzept, das aus den USA kommt, bei dem es um diese Bedürfnisse und die Bindung geht. Dieser Ansatz ist für die ersten Lebensjahre der Kinder entwickelt worden.

Der Begriff "Helikopter-Eltern" steht im Gegensatz dazu eher für ein übertriebenes Aufpassen der Eltern auf das eigene Kind, sagt die Erziehungswissenschaftlterin.

Durch intensive Elternschaft Erziehungsfehler vermeiden

Helen Knauf sieht zwei Gründe dafür, dass deutsche, bloggende Eltern sich stark auf die Bedürfnisse ihres Kindes fokussieren - und das vor allem, wenn die Kinder noch sehr klein sind.

Die Erziehungswissenschaftlerin sagt, dass die untersuchten Eltern in den letzten Jahren durch die psychologische und pädagogische Forschung erfahren haben, dass die ersten Lebensjahre besonders wichtig dafür sind, dass aus ihrem Nachwuchs zufriedene und möglicherweise auch erfolgreiche Erwachsene werden.

Dadurch, dass sie sich in der Erziehung intensiv mit den Bedürfnissen des Kindes auseinandersetzen, versuchten Eltern im Prinzip Erziehungsfehler zu vermeiden, sagt Helen Knauf.

Die Tradition der Übermutter

Einen weiteren Grund dafür, dass viele Eltern sich intensiv mit den Bedürfnissen ihres Kindes auseinandersetzen, sieht Helen Knauf in einem deutschen Phänomen, das uns traditionell schon lange begleitet - der Vorstellung von der guten Mutterschaft, also so einer Art Übermutter oder einer Supermutter, sagt die Erziehungswissenschaftlerin.

"Helikoptereltern - darunter versteht man ja eher so ein übertriebenes Aufpassen auf die Kinder."
Helen Knauf, Professorin für Bildung und Sozialisation im Kindesalter an der Fachhochschule Bielefeld

Es gebe aber auch Blogs, die sich von dem Konzept der intensiven Elternschaft distanzieren, sagt Helen Knauf. Diese Eltern hinterfragten, wo sie mit ihren eigenen Bedürfnissen bleiben, wenn sie sich zu stark mit denen ihres Kindes auseinandersetzen.

Diese Eltern erziehen eher nach dem Stil, dass starke Kinder starke Eltern brauchen, die ihre eigenen Wünsche nicht zwangsläufig hinten anstellen, wenn sie ihre Kinder erziehen.