Frauen investieren seltener in Aktien oder Fonds. Ein Grund: Im Vergleich zu Männern sind sie weniger risikofreudig. Doch dieses Verhalten schafft keine Sicherheit – im Gegenteil. Es befeuert vielmehr ein anderes Risiko: das der Altersarmut.
"Was in Aktien zu machen" gilt inzwischen als Standard, zumindest scheint jed*r einen ETF anzusparen. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache, wie das Deutsche Aktieninstitut zeigt. Es sind bei weitem nicht "alle", die in Game rund um ETFs, Aktien und Fonds eingestiegen sind. Bei Männern sind es rund 25 Prozent, bei Frauen hingegen deutlich weniger – etwa 15 Prozent.
Gründe für den Gender Investment Gap
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sarah Brendel hat sich auf die Suche nach den Gründen für das zurückhaltende Verhalten beim Investieren gemacht. Eine Antwort darauf hat ihr Alexandra Niessen-Ruezi. Sie leitet den Lehrstuhl für Allgemeine BWL und Corporate Governance an der Uni Mannheim und forscht zu geschlechtsspezifischen Unterschieden an Finanzmärkten.
"Frauen gehen in vielen Lebensbereichen weniger Risiko ein als Männer. Und das ist auch beim Investieren so."
Ein weiterer Grund ist, dass es traditionell überwiegend Männer gewesen sind, die in Aktien gehandelt und am Kapitalmarkt investiert haben, erklärt die Wissenschaftlerin. Das habe zur Folge, dass Frauen nur wenige weibliche Vorbilder oder Mentorinnen in diesem Bereich haben.
Dass Geldanlegen als "Männersache" gilt, zeigt sich auch in der Werbung für Finanzprodukte der vergangenen fünfzig Jahre, sagt Sarah Brendel und verweist auf eine Studie. Demnach habe die Werbung zu rund 80 Prozent männliche Kunden angesprochen.
Mittlerweile gibt es zwar deutlich mehr Werbung für Aktiendepots, ETFs oder Finanzcoachings, die sich gezielt an Frauen richtet. Der Haken dabei: unseriöse Coachingangebote und unrealistische Versprechen, die auf Social Media gemacht werden. Davor warnt zum Beispiel die Verbraucherzentrale Hamburg.
Altersarmut ist immer noch weiblich
Grundsätzlich, so Sarah Brendels Schlussfolgerung, ist es aber wichtig, dass Frauen mehr Zugang zu Finanzwissen bekommen. Das sei vor allem mit Blick aufs Alter relevant. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts haben Frauen ein rund 25 Prozent höheres Risiko für Altersarmut als Männer. Das liegt unter anderem an geringerer Bezahlung, häufiger Teilzeit und Jahren unbezahlter Care-Arbeit.
"Der Gender Investment Gap sorgt auch dafür, dass Frauen weniger Vermögen aufbauen."
Tatsächlich ist es aber nicht so, dass Frauen sich gar nicht mit Geld beschäftigen. Sie sparen durchaus, allerdings häufiger auf die traditionell sichere Weise: Das Geld bleibt auf dem Tagesgeld- oder Girokonto liegen. Der Clou beim Investieren ist aber, das Geld für sich arbeiten zu lassen.
"Wichtig ist, das Risiko zu streuen und nicht eine Einzelaktie zu kaufen."
Wer anfangen möchte, sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen und Geld zu investieren, kann zum Beispiel drei Punkte beachten:
- eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung machen: Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
- Notgroschen zur Seite legen
- Rest als Investitionssumme nutzen
Alexandra Niessen-Ruezi rät außerdem, breit zu diversifizieren – also das Risiko zu streuen. Statt eine Einzelaktie zu kaufen, könne man zum Beispiel in einen ETF investieren.
Was das genau ist und worauf wir beim Kauf achten sollten, hat beispielsweise die Verbraucherzentrale zusammengestellt, genauso wie unabhängige Informationen zu Neo-Broker-Apps.
