Albanien ist eins der ärmsten Länder Europas, und die Perspektivlosigkeit unter jungen Albanern ist groß. Genauso groß ist aber die Hoffnung auf Verbesserung durch einen EU-Beitritt. Dass mit der EU alles besser wird, hält Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Alexander Hertel aber für naiv.

Nirgendwo außerhalb der EU sind junge Menschen so pro-europäisch wie in Albanien. 90 Prozent wünschen sich einen Beitritt zur Europäischen Union. Das hat mehrere Gründe:

Albanien ist eins der ärmsten Länder Europas, es gibt kaum soziale Sicherungssysteme, die Politik ist aktuell handlungsunfähig, Korruption zieht sich durch alle Bereiche des Lebens und es herrscht große Perspektivlosigkeit - gerade unter jungen Menschen.

Viele hoffen nun, dass mit einem EU-Beitritt alles besser wird, sagt Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Alexander Hertel.

"Für junge Leute gibt es kaum Chancen aufzusteigen. Sowohl beruflich als auch wirtschaftlich und sozial."
Alexander Hertel, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent

Für eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung wurden Albaner zwischen 16 und 29 Jahren befragt. Ihr größter Wunsch: in einer modernen Demokratie leben.

Hoffnungen sind naiv

Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Alexander Hertel sagt: Viele Hoffnungen und Vorstellungen sind naiv. Beispielsweise glaubten laut der Studie viele, dass ein EU-Beitritt innerhalb von fünf Jahren zu machen sei. Das dauere aber länger. Und auch die Hoffnung, dass dann alles besser werde, sei zu optimistisch.

Wie es in der Realität läuft, könne man an der Entwicklung an den zuletzt beigetretenen Mitgliedsländern Rumänien und Bulgarien sehen. Dort seien zwar inzwischen Autobahnen gebaut worden, viele Menschen haben aber immer noch keinen Job.

"Die EU kann zwar einen Rahmen vorgeben und auch Geld geben. Aber eine Entwicklung muss aus den Ländern selbst herauskommen."
Alexander Hertel, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent

Alexander Hertel sagt, die großen Hoffnungen auf ein besseres Leben durch die EU würden unter anderem auch daher kommen, dass die Albaner von Freunden oder Bekannten, die ausgewandert sind oder in anderen EU-Ländern gearbeitet haben, hören, wie viel besser es in anderen Ländern laufe. Sie träumten eine Art American Dream.