Der Stichtag rückt näher. Schon lange wird darüber diskutiert, ob das Pestizid Glyphosat erneut in der Europäischen Union zugelassen werden darf. Es geht bei der Entscheidung um die Frage, ob das weltweit meistverkaufte Herbizid krebserregend ist.

Der Hintergrund: Bald läuft die Zulassung für das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat aus. Eigentlich ist der 31. Dezember der Stichtag für die Entscheidung, aber auch eine Verlängerung ist möglich. Bis dahin müssen EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten abwägen, wie schädlich es ist. Die turnusmäßige Neubewertung für die Zulassung übernimmt Deutschland als Berichtsland. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob und wie krebserregend das Mittel ist. Schon im November will die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit den Abschlussbericht dazu vorlegen.

Was genau ist Glyphosat?

Es ist ein Totalherbizid, das gegen alle Unkräuter im Einsatz ist. Es wird verwendet, bevor die neue Saat ausgestreut wird, quasi um den Acker „blank“ zu spritzen. Der Agrar-Konzern Monsanto nutzt diesen Effekt, indem er das Mittel in einer Kombination mit gen-veränderten Pflanzen verkauft. Wird Glyphosat gespritzt, so geht alles unerwünschte Unkraut zu Grunde, nur die Gen-veränderte Pflanze - zum Beispiel Soja - überlebt.

Welche negativen Folgen gibt es?

Dass beim Einsatz der meisten Pestizide die Umwelt in der Regel nicht schadensfrei davon kommt, ist unbestritten. Bei Glyphosat wird angeführt, dass es einen negativen Einfluss auf das Artensterben hat, besonders den Rückgang der Insekten. Auch besteht der Verdacht, dass es für das Bienensterben mitverantwortlich ist. Nebenwirkung der "Allestöter"-Herbizide können zudem superresistente Unkräuter sein. Kritik an einem flächendeckenden Einsatz des Totalherbizids kommt auch vom Bundesumweltamt: Wird der gesamte Pflanzenbewuchs abgetötet, fehlen dem Ökosystem die Nahrungsquellen. Es rät daher es reduziert einzusetzen.

Krebserregend – oder nicht?

Genau das ist die Frage. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt zu dem Ergebnis, dass das Mittel bei "bestimmungsmäßiger Anwendung" für den Verbraucher unbedenklich sei. Kritiker bemängeln, dass unter den unterschiedlichen Studien, die sie dazu konsultieren, auch solche sind, die von der Industrie beauftragt wurden. In ihrer Einschätzung, so Vertreter des BfR, würde auch die Bewertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IACR) nicht außer acht lassen.

Die IACR, eine Unterorganisation der WHO, kommt allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis. Sie schätzt es als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Das ist die zweithöchste Stufe der Einschätzung zur Krebsgefahr. Verstärkt wird dieser Verdacht etwa beim Blick nach Argentinien, einem der größten Soja-Produzenten. Wissenschaftler entdeckten rund um Anbaugebiete, die die Mischung aus Gen-Soja und Glyphosat einsetzen, erhöhte Krebszahlen und Missbildungen bei Neugeborenen.

Tonnenschwere Entscheidung

Allein in Deutschland werden jährlich 6.000 Tonnen Glyphosat gespritzt, weltweit sollen es über 700 000 sein. Dabei geht es bei der Entscheidung, ob es zugelassen wird oder nicht, um Milliarden. Und auch ein Detail könnte entscheidend sein: im Moment können glyphosathaltige Stoffe auch an Privatpersonen beispielsweise in Baumärkten verkauft werden.

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