Eine Farbtabelle könnte demnächst zur Grundausstattung jeder Frittenbude in der EU gehören.

Wir könnten natürlich einfach selber Kartoffeln so lange frittieren, bis sie eine akzeptable Färbung haben. Und auch unsere vorgebräunten Pommes könnten wir so lange backen, wie wir mögen. Eine Farbempfehlung der EU sollten wir dabei aber vielleicht bald zur Kenntnis nehmen.

Hintergrund ist eine EU-Verordnung, die voraussichtlich in wenigen Monaten in Kraft treten wird. Sie soll bei besonders stärkehaltigen Lebensmitteln den Anteil an Acrylamid regeln - denn das könnte krebserregend sein.

Alter Hut Acrylamid

Bereits vor Jahren ist in Tierversuchen rausgekommen, dass Acrylamid zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Die Europäische Union möchte jetzt durch die Verordnung erreichen, dass in Lebensmitteln wie Pommes, Chips, Keksen, Cornflakes, Knäckebrot oder geröstetem Kaffee weniger Acrylamid vorkommt.

"Ich glaube, dass die Europäische Kommission eigentlich wichtigere Dinge zu tun hat."
Andrä Rupprechter, österreichischer Minister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

Die Verordnung soll dazu führen, dass in Bäckereien, Frittenbuden und anderen backenden oder bratenden Betrieben möglichst wenig von dem Stoff entsteht.

Hitzeempfehlung und Pommesampel

Es geht auch um möglichst wenig Hitze beim Garen. Deshalb soll demnächst "bis maximal 175 Grad" auf den Tiefkühlpommes stehen. Und weil es schwierig ist, einen konkreten Frittiergrad zu beschreiben, könnte eine Farbtabelle weiter helfen. Diese "Pommesampel" würde die EU dann zur Orientierung empfehlen.

Belgische Pommes, holländische Kroketten, Wiener Schnitzel

Besonders die Frittenbudenklassiker wären von der Regelung stark betroffen. Vielleicht nicht überraschend also, dass sich Deutschland in einer Abstimmung zur Notwendigkeit der Verordnung kürzlich noch enthalten hat. Österreich ist sogar explizit dagegen. Die Mehrheit der Mitgliedsstaaten ist aber dafür.

"Es ist unsinnig unsere gastronomischen Unternehmen mit einer Farbtabelle über Pommes frites zu plagen oder Regeln vorzusehen, welche Farbe unsere Frühstückszerealien haben dürfen.
Andrä Rupprechter, österreichischer Minister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

Der EU Ministerrat und das Europäische Parlament haben aber bereits zugestimmt. Nur die Kommission muss die Verordnung noch absegnen - und das ist eine Formsache. Also könnte sie im Frühjahr 2018 in Kraft treten. Geplant ist außerdem in Zukunft Höchstwerte für Acrylamid in bestimmten Lebensmitteln festzulegen.

Grundsätzlich will die EU Pommes aber nicht verbieten.