Er würde seine Kinder in Berlin nicht mit der Bahn fahren lassen, das sei viel zu gefährlich, sagt der AfD-Politiker Jörg Meuthen im Gespräch bei Deutschlandfunk Nova. Wir haben unsere Statistikerin gefragt, wie hoch die Kriminalität in der Bahn wirklich ist.

"Ich würde meine Kinder hier in Berlin nicht mit der U-Bahn durch die Gegend fahren lassen. Wir haben ein relativ hohes Maß an Kriminalität und Migrantenkriminalität."
Jörg Meuthen, Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, im Gespräch mit Deutschlandfunk Nova

Die Deutschlandfunk-Nova-Statistikerin Katharina Schüller hat sich die polizeiliche Kriminalitätsstatistik von Berlin angesehen. Ihr Ergebnis: Die Kriminalität ist von 2015 mit fast 36.000 Fällen auf rund 24.000 im Jahr 2018 gesunken. Das ist rund ein Drittel weniger. Im Vergleich sind die Fahrgastzahlen von 1,045 Milliarden in 2017 auf 1,064 Milliarden 2018 gestiegen. Das sind 19 Millionen mehr Fahrgäste.

Risiko gesunken

Fazit: ein Drittel weniger Straftaten bei einem Fahrgastanstieg um fast 9 Prozent. Das Risiko, einer Straftat zum Opfer zu fallen, ist um fast 40 Prozent zurückgegangen.

Zahl schwere Straftaten konstant

Von den rund 24.000 Straftaten hatten rund 5400 einen Gewaltcharakter. Körperverletzung kommt bei 4100 Delikten vor. Diese Zahl ist relativ konstant über die Jahre hinweg.

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Jörg Meuthen begründet seine Aussage mit der Annahme, dass insgesamt "mehr passiere" und ein "relativ hohes Maß an Kriminalität" vorherrsche.

Kriminalität in Berlin insgesamt rückläufig

Die registrierten Straftaten sind in Berlin von rund 569.000 im Jahr 2016 um ca. 57.000 (mehr als 10 Prozent) auf rund 512.000 im Jahr 2018 gesunken. Gleichzeitig ist die Bevölkerung in Berlin um knapp 4 Prozent gewachsen. Die Entwicklung bei besonders schweren Delikten:

  • Raub: rund 6200 in 2013 auf ca. 4200 in 2018
  • Körperverletzung: von rund 42.000 in 2013 auf rund 43.300 in 2018
  • Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: rund 2600 in 2013 auf 4200 in 2018

Der starke Anstieg bei Sexualdelikten von rund 11 Prozent hat verschiedene Ursachen. Zum einen wurden manche Delikte früher anderen Kategorien zugeordnet und werden jetzt im Bereich Sexualdelikte zusammengeführt. Zum anderen ist die Bereitschaft, ein Sexualdelikt anzuzeigen, seit der #MeToo-Debatte gestiegen.

Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger nimmt ab

Jörg Meuthen führt die angeblich gestiegene Kriminalität auf eine stark angestiegene "Migrantenkriminalität" zurück. Katharina Schüller nimmt an, dass sich Jörg Meuthen auf die Gruppe der Menschen aus Nicht-EU-Staaten, die in die Bundesrepublik einreisen, um sich dort dauerhaft aufzuhalten, bezieht.

  • Der Anteil der Tatverdächtigen, die dieser Gruppe angehören, liegt 2018 bei 7,5 Prozent.
  • Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger an der gesamten nichtdeutschen Bevölkerung Berlins ist rückläufig. 2017 waren es noch 5,2 Prozent Tatverdächtige, in 2018 sind es noch 4,8 Prozent gewesen. Das ist ein Rückgang um 8 Prozent innerhalb eines Jahres.
  • In der nichtdeutschen Bevölkerung Berlins sind 31 Prozent der Männer zwischen 18 und 45 Jahren alt. Sie machen die Hauptgruppe der Tatverdächtigen aus. Im Vergleich beträgt der Anteil der 18 bis 45 Jahre alten Männer an der deutschen Bevölkerung nur 17 Prozent.

Straftaten im Berliner ÖPNV rückläufig

Fazit: Die Straftaten im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Berlin sind stark zurückgegangen, obwohl mehr Fahrgäste unterwegs sind.

Jörg Meuthen kann seine Entscheidung, seine Kinder nur mit dem eigenen Auto in die Schule zu fahren, überdenken. Abgesehen davon, dass er mit jeder Fahrt das Klima belastet und zur Luftverschmutzung beiträgt, ist die Fahrt im Auto wesentlich gefährlicher als mit Bus und Bahn: In 2018 haben sich über 140.000 Verkehrsunfälle ereignet. Dabei sind mehr als 18.000 Menschen verletzt worden. Das sind fast doppelt so viele wie die Opfer von Gewaltdelikten und Körperverletzung in den Berliner Bussen und Bahnen zusammengenommen.