Zum ersten Mal ist Delara Burkhardt (SPD) als Abgeordnete im Europaparlament. Als 26-Jährige ist sie zudem das jüngste deutsche Parlamentsmitglied. In ihrer ersten Woche ging es vor allem um den Konflikt über den neuen Kommissionsvorsitz. Eine Respektlosigkeit, findet sie.

Delara Burkhardt vertritt erstmals die Interessen der Bürger und Bürgerinnen auf Europaebene. Gerade hat die 26-Jährige ihre erste Woche Europaparlament in Straßburg hinter sich gebracht. Sie habe große Lust auf die nächsten fünf Jahre und ihre Aufgabe im Parlament, sagt Delara Burkhardt. Erfahrung in der Politik hat sie als Juso-Chefin in Niedersachsen gemacht. Es erfülle sie mit Ehrfurcht, im Zentrum der europäischen Demokratie zu arbeiten. Ein Privileg, wie sie findet.

"Es ist der Wahnsinn, in die Wiege der europäischen Demokratie hineinzugehen und zu wissen, hier bin ich jetzt die nächsten fünf Jahre. Das ist ein Privileg hier arbeiten zu dürfen."
Delara Burkhardt, EU-Abgeordnete der SPD

In der ersten Woche habe sie sich um viel Organisatorisches gekümmert und war im Welcome Village für neue Abgeordnete. Für die Europaparlamentarierin geht es jetzt darum, alle Gebäude und Abläufe in Straßburg und Brüssel kennenzulernen. Noch würde sie ziemlich herumirren zwischen den großen Gebäudekomplexen. Seit Kurzem gibt es MEP-Guides, sagt Delara Burkhardt, die den neuen Abgeordneten helfen, sich zurechtzufinden - also Mitarbeiter der Verwaltung, die helfen und informieren.

Erste Übung: Prioritäten setzen

Eine große Herausforderung sei es, die vielen Anfragen und Möglichkeiten, die nun auf sie als Europaparlamentarierin einströmen, nach ihrer Wichtigkeit zu strukturieren.

Gerade in ihre erste Woche fiel die Auseinandersetzung zwischen Europaparlament und Europäischem Rat, der sich über das Spitzenkandidaten-Modell hinweggesetzt hat. Delara Burkhardt hat dazu eine klare Meinung: Der Europäische Rat schlägt einen Kommissionspräsidenten vor und das Europäische Parlament hat das Recht, den Kommissionspräsidenten zu wählen. Der Rat sollte das Spitzenkandidaten-Modell respektieren, auf das sich das Parlament verständigt hat.

Das Parlament müsse sich Respekt gegenüber dem Rat verschaffen

Dass der Rat die Spitzenkandidaten nicht berücksichtigt, empfindet Delara Burkhardt als respektlos gegenüber dem Parlament. Sie findet auch, dass das Parlament sich gegen das Vorgehen wehren sollte.

"Der Rat hat eine Person nominiert, die sich nicht für dieses Amt zur Wahl gestellt hat. Ein selbstbewusstes, starkes Parlament darf das nicht zulassen."
Delara Burkhardt, EU-Abgeordnete der SPD

Delara Burkhardt sagt, dass sie sich vor allem auf die inhaltliche Arbeit im Parlament und mit der Kommission freut. Das sei auch die Arbeit, die ein Parlament ausmache, und nicht Personaldebatten.

"Das, was mich in den letzten Woche am meisten genervt hat, das ist dieses Personalgeschacher. Dabei gibt es so viel zu tun in Europa."
Delara Burkhardt, EU-Abgeordnete der SPD

Inhaltlich wird Delara Burkhardt im Umwelt- und Innenausschuss arbeiten. Für die 26-Jährige seien die beiden wichtigsten Themen auf der europäischen Agenda, wie man der Klimakrise begegnen und wie man Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer beenden könne. "Ich kann es nicht mit europäischen Werten vereinbaren, dass wir Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen oder dass Menschen wie Carola Rackete vor Gerichten angeklagt werden."

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Persönlich sei ihr wichtig, in den kommenden Jahren ihre Arbeit transparent zu machen und so auch Jüngere für die Europapolitik zu begeistern.

"Ich habe im Wahlkampf immer wieder gemerkt, dass unsere Generation total positiv zu Europa steht, ihr aber oft nicht klar ist, was da eigentlich passiert."
Delara Burkhardt, EU-Abgeordnete der SPD

Über ihre Instagram-Account würde Delara Burkhardt viele Anfragen auch von Teenagern bekommen. "Die können sich vielleicht eher mit mir identifizieren als mit einem 70-jährigen Abgeordneten."

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Mit ihren Posts will sie Vorgänge im Parlament erklären, aber auch zeigen, wie das Leben einer Europaabgeordneten so aussieht: "Das ist die große Herausforderung einer Europaabgeordneten, dass man Montag bis Donnerstag in der Regel in Brüssel oder Straßburg ist und nicht im Wahlkreis bei den Menschen."