Manche Pflegekräfte, vor allem diejenigen, die Erfahrungen mit Covid-19-Patienten haben, möchten sich sofort impfen lassen. Andere haben mitunter noch Bedenken.

Pflegekräfte, die auf der Intensivstation mit Covid-19-Patienten arbeiten, wissen, wie unberechenbar die Infektion mit Sars-CoV-2 verlaufen kann. Sie lassen sich früher und schneller impfen, das hat Michael Junge beobachtet. Er ist der Pflegedirektor eines Dresdner Krankenhauses.

Das medizinische Personal seiner Klinik kennt die teils dramatischen Krankheitsverläufe. Seine Kolleginnen und Kollegen haben Menschen sterben sehen, von denen sie es nicht erwartet hätten. Diese Erfahrungen sorgen wohl dafür, dass Menschen, die Covid-19-Patienten betreuen, eher bereit sind, sich impfen zu lassen.

Die Pandemie soll endlich vorbei sein

Die vielen Toten auf der Arbeit und der Lockdown, der das Privatleben einschränkt. Auch für Johann, der Pfleger auf der Corona-Intensivstation eines Leipziger Krankenhauses ist, bestand kein Zweifel daran, dass er sich impfen lässt. Er hat die erste Impfung bereits hinter sich und eine weitere steht Ende Januar an. Aber nicht alle Menschen, die im Pflegebereich arbeiten, sehen es so wie er.

"Vom reinen Bauchgefühl her möchte ich gerne noch ein halbes Jahr warten und gucken, was sich so tut. Von unserer Station wollen ungefähr drei Viertel der Kollegen sich erst mal nicht impfen lassen.“
Pflegekraft, die skeptisch ist

Unser Reporter Marc Zimmer wollte etwas über die Beweggründe derer erfahren, die Bedenken vor einer Impfung haben. Dafür hat er sich in Internetforen für Pflegekräfte umgesehen.

Zu kurzfristig sei die Zulassung der Impfstoffe erfolgt, dadurch seien sie nicht sicher, las er dort. Andere Impfskeptiker schrieben, dass sie Angst vor möglichen Langzeitfolgen hätten und sich deshalb nicht impfen lassen wollen.

Unbegründete Sorge vor Langzeitfolgen

Dass einige Menschen, die in der Pflege und im Krankenhaus arbeiten, Bedenken gegenüber der Corona-Impfung haben, das hat auch Uwe Janssens in seinem Arbeitsumfeld gemerkt.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat deshalb Anfang Dezember eine Umfrage unter rund 2.300 Ärztinnen und Pflegenden gemacht. Das Ergebnis: Bei den Pflegenden wollte sich nur die Hälfte der Befragten impfen lassen. Bei Ärzten sah es ein bisschen besser aus, drei Viertel haben gesagt, sie würden sich sofort impfen lassen.

Impfmethode gilt als sicher: RNA gelangt nicht in den Zellkern

Die Bedenken von Impfskeptikern hält Uwe Janssens für unbegründet. Er hält den Impfstoff für "sensationell". Das hängt für den Intensivmediziner damit zusammen, dass "die Sicherheit dieser Methode jenseits der Impfungen hinlänglich bekannt ist und auch die RNA nicht in den Zellkern gelangt, wo die menschlichen Erbinformationen sind." Denn das sei ein Argument, das immer wieder genannt werde.

Zwar hat die Intensivmediziner-Gesellschaft DIVI den Eindruck, dass die Impfbereitschaft seit einer Befragung Anfang Dezember schon größer geworden sei, bis es eindeutige Zahlen gibt, wird es aber noch ein wenig dauern, das hat auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bestätigt.