Die Übergriffe auf Frauen an Silvester sind für rechtsextreme Gewalttäter ein willkommener Anlass, weiterzumachen, sagt Olaf Sundermeyer. Der Autor des Buches "Rechter Terror in Deutschland" beobachtet schon seit einiger Zeit einen Anstieg rechter Gewalt.

In Köln werden am vergangenen Wochenende Ausländer durch die Stadt gejagt und verletzt, im Münsterland gibt es einen Angriff auf eine Flüchtlingsunterkunft und bei einer Demonstration von Pro NRW und Pegida in Köln kommt es zu Ausschreitungen. Es wirkt, als hätten die Übergriffe von "arabisch aussehenden" Männern auf Frauen in der Silvesternacht eine Welle der rechten Gewalt ausgelöst. Tatsächlich habe sich diese Welle "schon im letzten Jahr drastisch aufgebaut", sagt Olaf Sundermeyer - Journalist und Autor des Buches "Rechter Terror in Deutschland".

"Rechte, gewalttätige Hooligans setzen aus ihrer Sicht den "Volkswillen" in die Tat um."
Olaf Sundermeyer, Journalist und Kenner der rechtsextremen Szene

Schon im letzten Jahr sei die Zahl rechtsextrem motivierter Gewalttaten gestiegen, sagt Olaf Sundermeyer. Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete etwa 2015 im Vergleich zu den Vorjahren unter anderem einen Anstieg von Angriffen auf Asylunterkünfte. Auch die Zahl anderer rechtsmotivierter Gewalttaten ist 2015 laut BKA gestiegen.

Täter aus der Hooligan-Szene

Viele Täter stammen aus der rechten Fußball-Hooligan-Szene, sagt Olaf Sundermeyer - aus dem Umfeld, aus dem die Teilnehmer der Demo "Hooligans gegen Salafisten" im Herbst 2014 in Köln stammten, auf der es ebenfalls zu Ausschreitungen kam.

Verabredung über Facebook oder Whatsapp

Zwar seien Polizei- und Sicherheitskräfte mittlerweile für die Problematik sensibilisiert und recherchierten unter anderem auch in geschlossenen Facebook- oder Whatsapp-Gruppen, über die sich die Täter verabreden. Schwierig zu verhindern seien jedoch kleinere, spontan verabredete "Menschenjagden", sagt Olaf Sundermeyer: "Da ist es wichtig, dass der Bürger Zivilcourage zeigt, so etwas sofort anzeigt und die Polizei zu Hilfe holt."