Facebook verfolgt uns offenbar noch hartnäckiger durchs Netz, als wir bisher dachten. Der Internetriese schnüffelt auch Usern nach, die gar nicht bei Facebook sind. Das hat ein Gutachten für die belgische Datenschutzbehörde ergeben.

Weder müssen wir Facebook-User sein, noch müssen wir uns gerade angemeldet haben: Sobald wird eine öffentliche Facebook-Seite aufrufen, also etwa Fan-Seiten auf Facebook.com oder auch myspace.com, mtv.com, okcupid.com, bekommen wir einen Cookie verpasst. Der wird auf allen Webseiten ausgelesen, auf denen der Like-Knopf von Facebook drauf ist. Und das sind ziemlich viele Seiten. Herausgefunden hat das eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Leuven und der Freien Universität Brüssel.

Tracking gegen euren Willen

Facebook-Mitglieder können in den Privatsphäre-Einstellungen das Opt-Out anklicken, wenn sie keine speziell zugeschnittene Werbung bekommen wollen - Facebook verspricht dann, die Trackingdaten nicht weiterzugeben. Facebook-Nichtmitglieder, die auf einer dafür vorgesehen Seite das Opt-Out wählen, bekommen aber plötzlich einen Facebook-Tracking-Cookie verpasst. Auch wenn sie vorher keinen hatten. "Ziemlich skurril", meint DRadio-Wissen-Reporter Michael Gessat. Das passiert bei Usern aus Europa, nicht aber bei Besuchern aus den USA oder Kanada.

"Das Tracken ist nur erlaubt, wenn ein vom Nutzer gewollter Zweck erfüllt wird. Ein Facebook-Nichtmitglied will aber überhaupt nichts von Facebook. Ein klarer Verstoß gegen das europäische Recht."
DRadio-Wissen-Reporter Michael Gessat übers Facebook-Tracking

Facebook hat inzwischen gesagt, der Bericht sei "ungenau" und würden ihn gerne mit der Datenschutzbehörde diskutieren, die sich aber verweigern sollen. Ziemlich nebulös, meint Michael: "Besser wäre vielleicht, Facebook würde öffentlich machen, was denn da stimmt oder angeblich nicht stimmt."